Dienstag, 17. Juli 2018

Karlsbad Böhmischer Bäderluxus

Böhmisches Bäderdreieck: Fürstliche Erholung
Fotos
Eva-Maria Simon

2. Teil: "Casino Royale" spielt im Grandhotel Pupp

Die Angst vor Fremdbestimmung ist groß, aber auch der Stolz darauf, dass Gäste von so weit her anreisen. "Hier in Tschechien wissen wir eben, was eine Kur wirklich ist", sagt Lucie Stakova, Angestellte im Hotel Pupp, das heute wieder tschechische Eigentümer hat. Stolz zeigt sie die in schlichter Eleganz gehaltenen Zimmer.

Sogar James Bond war dort schon zu Gast. Im Mai 2006 drehte die Crew um Daniel Craig "Casino Royale". Auf den gold-weißen Polstersesseln im Restaurant speiste 007 mit dem Bond-Girl. Auch die Stadt selbst hatte ihren Auftritt, als Montenegro. Und das Hotel Imperial hoch über der Stadt wurde zum Casino. Für die filmbegeisterten Tschechen, die mit dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary jedes Jahr Tausende Gäste anlocken, ist es wohl selbstverständlich, dass auch James Bond mal vorbeischaut.

Nicht immer gehen solche Begegnungen zwischen Alt und Neu in Karlsbad schmerzfrei zu, etwa wenn schrille Werbetafeln in die Wechselstuben locken oder selbst im hübschesten Kurcafé das Radio dröhnt. Doch es geht auch anders. Wie im Hotel Dvorak am Flussufer, wo die Wiener Torte kaiserlich und königlich schmeckt und die Wiener Melange modern mit Strohhalm serviert wird.

Die handtellergroßen Karlsbader Oblaten gibt es inzwischen nicht nur klassisch mit Haselnüssen und Zucker, sondern auch mit Tiramisu- oder Cappucinocreme. Und den Kräuterlikör Becherovka, ursprünglich als Magentropfen oder 13. Quelle Karlsbads bekannt, trinkt man heute als "Beton" mit Tonic Water.

Wer zu viel vom süßen Karlsbad gekostet hat, dem hilft vielleicht eine "Terrainkur": Hinter dem Hotel Pupp führen ein Weg und eine Standseilbahn die steilen Hänge hinauf zu Spazierwegen und Aussichtstürmen. Es gibt keine bessere Möglichkeit, im Sommer dem Trubel zu entfliehen oder in der ruhigen Zeit zwischen Januar und März den Charme des Kurbads zu spüren.

Hoch über der Stadt können Besucher durch die Bullaugen des beheizten, öffentlichen Schwimmbeckens am Hotel "Thermal" auf die Teplá schauen. Wer länger bleibt, den zieht es vielleicht zum Wandern oder Skilaufen in die Berge. Oder in die anderen Ecken des Böhmischen Bäderdreiecks: Im Süden liegt das mondäne Marienbad (Marianske Lazne), dessen kalte Quellen gegen fast alle Leiden gut sein sollen.

An der Grenze zu Sachsen das beschauliche Franzensbad (Frantiskovy Lazne), das auf Frauenheilkunde spezialisiert ist. Eilige Karlsbad-Besucher sollten sich zum Abschluss nochmal auf die Spuren des allgegenwärtigen Kaisers Karl begeben. Der Schlossturm aus dem 17. Jahrhundert ist auf den Ruinen seiner Jagdburg gebaut. Mit dem Schlossbad und der Schlosskolonnade verschmilzt er zu einem königlichen Ensemble. In den Zinnen über der Stadt serviert das Restaurant "Karla IV" Wildschweinemedaillons mit Pflaumensoße, die dem jagdbegeisterten König wohl geschmeckt hätten. Durch die Fenster fällt der Blick auf die erleuchteten Hotels am Steilhang, dazu gibt es Mineralwasser. Es ist kühl, es sprudelt und - es schmeckt.

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