Freitag, 26. August 2016

Tauchen in Indonesien Im Oktopus-Garten

Hier gleicht jeder Tauchgang einem Meeresbiologie-Seminar: Die indonesische Schifffahrtsstraße Lembeh Strait ist ein Mekka für Unterwasserfotografen auf der Jagd nach bizarren Winzlingen. Das beliebteste Motiv ist der größte Verwandlungskünstler der Tierwelt - der seltene Mimic-Oktopus.

Es ist ein Tauchen, so ganz und gar untypisch für tropische Reiseziele: keine Korallen, keine großen Sichtweiten, keine großen Fische. Dafür trostloser schwarzer Lavasand, garniert mit Schiffsabfällen und Wohlstandsmüll. Jemand, der sich hier auskennt, taucht den Boden im Zeitlupentempo ab, dreht Steine um, schaut unter menschlichen Hinterlassenschaften nach: So, als hätte er gerade seinen Ehering verloren und müsste diesen unbedingt wieder finden, bevor er nach Hause darf. Die Lembeh Strait, eine Schifffahrtsstraße im Norden Sulawesis, ist für Filmer und Unterwasserfotografen trotz all der auffälligen Nachteile ein Paradies - ein Paradies der kleinen Monster.

Ramo ist Diveguide auf der "M/Y Liburan", ein Tauchführer für Touristen, die die Inselwelt Indonesiens von Bord eines Tauchkreuzers aus erkunden möchten. Wer mit ihm unter Wasser geht, braucht eigentlich keine Flossen - hier sind ein scharfer Blick und ein geschultes Auge gefragt, nicht Geschwindigkeit. Manchmal dreht Ramo sich kurz um und schaut, ob die Tauchgruppe noch dicht hinter ihm ist, ansonsten ist seine komplette Aufmerksamkeit auf den Sandgrund gerichtet.

Er ist auf der Jagd nach bizarren Anglerfischen, schillernden Garnelen und farbenfrohen Mandarinfischen. Nach Nacktschnecken und haarigen Frogfischen, nach Himmelsguckern und dem äußerst seltenen Mimic-Oktopus, einem der besten Tarnkünstler im Tierreich: Fühlt sich der Oktopus bedrängt, nimmt er in Sekundenschnelle die Körperform anderer Tiere an.

Eine andere Oktopusart, die vor Sulawesi häufig zu sehen ist, ist ebenso schön wie potentiell tödlich. Der Blauring-Oktopus verfügt über ein durch Bakterien produziertes Gift in seinem Speichel, welches bei einem Biss zur Muskellähmung führt - Iris, Herz und Darm arbeiten weiter, die Atmung setzt aus. Der nur wenige Zentimeter messende Kleinkrake gehört zu den giftigsten Lebewesen der Welt, doch solange man ihn nicht allzu sehr ärgert oder Schwimmer barfuss aus Versehen auf ihn treten, bleibt das Tier harmlos: Die größte Schwierigkeit besteht darin, ihn überhaupt zu entdecken.

Folgen, Staunen, Fotografieren

Was für Touristen unmöglich erscheint, gelingt den einheimischen Guides mit verblüffender Leichtigkeit. Einem Trüffelschwein gleich zacken die sie über den dunklen Untergrund. Was auf ihrem Weg verborgen liegt, wird auch entdeckt. Die Aufgabe der Gäste bei dem Schauspiel ist stets identisch: folgen, staunen, fotografieren.

Der schmale Fußweg führt geradewegs in die Idylle. Palmen und einstöckige Bungalows säumen den Wegesrand, ein tropischer Garten sorgt für Farbtupfer. Wer im Lembeh-Resort übernachtet, hat auch "mindestens eine Kamera im Gepäck", wie Kirsten Clahr vom Tauchreiseveranstalter Extratour zu berichten weiß. "Hier sind die Hotels einmalig gut auf Unterwasserfotografen vorbereitet. Angefangen von den technischen Vorrichtungen bis hin zu den Guides, denen man fast einen Wunschzettel überreichen kann, was man an bizarren Lebensformen denn gerne ablichten würde."

Und fast jeder Wunsch kann auch erfüllt werden - kein anderes Gebiet weltweit wartet mit einer solchen Dichte an bizarren Kreaturen auf wie die durchschnittlich nur drei Kilometer breite Meeresstraße zwischen Sulawesi und der Insel Lembeh.

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