Donnerstag, 19. Juli 2018

Urlaubstrend Die Reise ins Ich

2. Teil: Flucht vor dem Stress im Job

Wachsenden Bedarf an solchen Urlaubsformen sieht Susanne Leder vor allem vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen: Der Trend zu immer höherem Leistungsdruck am Arbeitsplatz störe bei vielen die Balance aus An- und Entspannung, sagt Leder, die für die Tourismusregion Müllerthal in Echternach in Luxemburg arbeitet.

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Zeitknappheit, Hektik und Komplexität des Alltags haben zur Folge, dass sich gerade diejenigen, die beruflich stark gefordert sind, im Urlaub weniger Abwechslung und Unterhaltung wünschen, sondern Ruhe und Muße. Dieser Wunsch sei aber kein Managerphänomen: "Komplexität und Technisierung des Berufslebens betrifft fast jeden", sagt Leder. "Der Trend wird deshalb noch zunehmen."

"Einerseits haben die Menschen heute ein hohes Maß an persönlicher Freiheit", ergänzt Professor Heinz-Dieter Quack. "Andererseits sind sie auch für vieles allein verantwortlich, was früher sicher schien - wie die Altersvorsorge", erklärt der Leiter des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) in Trier. Viele fühlten sich vom Alltag überfordert, "die Orientierung wird schwieriger". Und viele Fragen stellten sich drängender als für frühere Generationen: "Wie möchte ich leben? Wie viel will ich arbeiten? Will ich mit meinem Partner zusammenleben?"

Oft ist im hektischen Alltag keine Zeit, sich lange mit der Suche nach Antworten zu beschäftigen. Fast zwangsläufig bleibt dafür nur der Urlaub: Der soll dann auch Gelegenheit bieten, Abstand zu gewinnen und sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen. Das heißt nicht unbedingt, dass diejenigen, die solche Bedürfnisse haben, den kompletten Urlaub damit zubringen wollen. Auch dafür gibt es zwar bei einigen Veranstaltern passende Angebote. Realistischer ist aber, dass nur ein Teil der Urlaubszeit dafür reserviert bleibt - "zum Beispiel 2 bis 3 von 14 Tagen".

Dass die Zahl derjenigen zunimmt, die sich Mußeurlaub gönnt, davon ist Susanne Leder überzeugt. "Aber das wird auch in Zukunft nichts für die Massenveranstalter sein", sagt Lohmann. "Das wäre in gewisser Hinsicht auch ein Widerspruch in sich."

Andreas Heimann, dpa

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