Montag, 16. Juli 2018

Grönland Der mit dem Wolf fährt

Türkis schimmernde Eisberge, unberührte, scheinbar unendliche weiße Fjordlandschaften und zu Schneeskulpturen verschneite Boote - Grönlands Reize überwältigen den Reisenden. Besonders Wagemutige erkunden das Land ganz traditionell - am Steuer eines Hundeschlittens.

Tasiilaq/Grönland - "Durch ihre Adern fließt Wolfsblut, das sagen manche Leute hier", meint der Züchter Dines Mikaelsen über Grönlandhunde. Und mit diesen, dem Wolf tatsächlich sehr ähnlichen Tieren, sollen nun die kommenden Tage Haut an Fell verbracht werden?

Notwendigerweise, denn wer einen Hundeschlitten-Führerschein machen möchte, muss jede Scheu ablegen. Und wird belohnt, wenn das selbstgeführte Gespann mit bis zu zwölf Tieren später durch die unberührt und unendlich scheinende weiße Fjordlandschaft der bergigen Insel Ammassalik in Südostgrönland gleitet.

Zunächst aber sind Theorie und Training angesagt. Nach dem Pauken der Befehle in ostgrönländischer Sprache, denen die Hunde losrennend, stoppend und Richtung wechselnd bald gehorchen sollen, geht es zunächst zu Übungszwecken auf einen drei Meter langen Hundeschlitten.

"Die Peitsche ist das Wichtigste!", schärft der Inuit Mikaelsen ein. Zielsicherheit ist wichtig, denn die traditionell aus Robbenhaut gefertigte Peitsche darf die Hunde nicht treffen, sondern nur die Richtung weisen.

Der Hundeschlitten ist für die Inuit lange Zeit das Fortbewegungsmittel Nummer eins gewesen und er ist es in kleinen Orten immer noch. Zusehends weicht er jedoch dem Schneemobil, das Geheule dem Motorknattern. In entlegenen Dörfern gibt es aber heute noch fast so viele Hunde wie Menschen. Die Vierbeiner werden zur winterlichen Fahrt über Berge, zugefrorene Fjorde und Gletscher in die Jagdgründe benötigt. Straßen zwischen den weit verstreuten Siedlungen gibt es nicht.

Als der Hundeschlitten zur ersten Fahrstunde über die Kuppe ragt, beginnt im Tal ein Heulen wie aus einer Kehle. Die reinrassigen Grönlandhunde wollen nur eines: Laufen! Jeder der 24 Vierbeiner will seine strotzende Energie vor den Kufen unter Beweis stellen.

Nur sieben kommen heute mit. Die Hunde springen, reißen die Mäuler auf. Das Zaumzeug lassen sie sich aber ohne Murren und Knurren über den Kopf ziehen. Untereinander setzen sie schon einmal das kräftige Gebiss ein, um ihre hierarchische Position klarzustellen - der Leithund läuft zuvorderst.

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