Sonntag, 16. Dezember 2018

Neu-Delhi Glitzernde Türme, illegale Slums

2. Teil: Korruption statt Stadtplanung

Korruption statt Stadtplanung

Delhi traf dieser Bevölkerungsaustausch am härtesten. 900.000 Einwohner hatte die Stadt zu jener Zeit, zwei Drittel waren Muslime. Die Mehrheit davon machte sich auf den Weg nach Westen. Nach der Unabhängigkeit nahmen Hindus und Sikhs aus dem pakistanischen Punjab den Platz der Muslime ein. Flüchtlingslager gehörten zum Stadtbild. Bis 1951 hatte sich die Einwohnerzahl auf 1,8 Millionen verdoppelt.

Neu-Delhi in Zahlen

Einwohnerzahl 2005: Großraum 15 Millionen
Entwicklung: 1950: 1,4 Millionen; Prognose für 2015: 18,6 Millionen Fläche: 1500 Quadratkilometer Bevölkerungsdichte: 10.000 Menschen pro Quadratkilometer Wohnfläche: Im Schnitt 6,9 Quadratmeter für jeden Hausbewohner
Abwasser: 40 Prozent der Hausbewohner mit Anschluss an Kanalisation
Die Behörden genehmigten den Bau neuer Wohnsiedlungen im Westen und Süden Neu-Delhis sowie am östlichen Ufer des Yamuna-Flusses. Sie bilden den Kern der wachsenden Metropole. Die Zusammensetzung der Bevölkerung entspricht heute weitgehend dem indischen Durchschnitt: 82 Prozent Hindus, 12 Prozent Muslime, 4 Prozent Sikhs, 1 Prozent Christen.

Der Zustrom in die Hauptstadt hält unvermindert an. Wohnhäuser und Geschäfte entstehen oft ohne behördliche Genehmigung und werden erst im Nachhinein legalisiert - nicht selten durch Bestechung. "Korruption ist ein Grund für Delhis völlig verfehlte Stadtplanung", sagt Miloon Kothari, Architekt und UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf angemessenes Wohnen.

In der indischen Hauptstadt gebe es ein mächtiges Netzwerk aus Beamten, Politikern und Geschäftsleuten, das bestimme, wie Delhi wächst, wo Hochhaussiedlungen, Hotels, Einkaufszentren und Parkhäuser entstehen, so Kothari. "Diese Leute verfolgen eigene Interessen und nehmen auf keinen stadtpolitischen Masterplan Rücksicht."

In der Stadtverwaltung mag sich niemand zu diesem Vorwurf äußern. Man verweist auf positive Entwicklungen wie die vor fünf Jahren eröffnete U-Bahn. Sie verbindet mit ihren drei Linien bislang 59 Stationen vorwiegend im Norden und Westen der Stadt. Bis zu den Commonwealth-Spielen im Jahr 2010 soll das Netz auf 137 Stationen ausgebaut werden. Dann sollen alle Teile der Hauptstadt sowie die boomenden Vororte im Süden an das Nahverkehrssystem angeschlossen sein.

Die Metro ist nur eine von vielen Baustellen. Andere sind die Modernisierung der maroden Strom- und Wasserversorgung oder der soziale Wohnungsbau. Eine UN-Studie prognostiziert, dass in rund zehn Jahren mehr als 20 Millionen Menschen in Delhi leben werden.

Stefan Mentschel, dpa

Seite 2 von 2

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH