Montag, 18. Juni 2018

Banff Nationalpark Berge und Bären

3. Teil: "Die Bären sind immer in der Nähe"

"Die Bären sind immer in der Nähe"

Vincent und seine Begleiter haben inzwischen den Highline Trail erreicht, einen Pfad am Hang mit faszinierendem Blick auf den See und auf die Hänge, an denen sich im Winter die alpine Ski-Elite in Weltcuprennen misst. Bergziegen steigen die Geröllhalden bergauf, doch von Bären fehlt weiter jede Spur. "Sie sind immer in der Nähe, aber man sieht sie hier nicht", erklärt der Bergführer, der seit 25 Jahren im Banff Nationalpark lebt und in dieser Zeit beim Bergwandern nur sechs Mal einen Bär aus der Nähe gesehen hat.

Banff Nationalpark
Der Banff Nationalpark liegt in den Rocky Mountains westlich von Calgary in der kanadischen Provinz Alberta. Air Canada, Lufthansa und auch mehrere Ferienfluggesellschaften fliegen Calgary regelmäßig von Deutschland an, meist von Frankfurt am Main aus. Zwischen Calgary und Banff liegen etwa 130 Kilometer auf dem Trans-Canada-Highway, zwischen Banff und Lake Louise sind es weitere 60 Kilometer. Sommersaison ist von Juni bis September mit Tagestemperaturen von durchschnittlich 15 bis 20 Grad. Eine warme Jacke und Regenkleidung im Gepäck sind immer erforderlich. Unter dem Gefrierpunkt liegen die Tagestemperaturen von November bis Februar. Im Winter fällt in Lake Louise dabei im Schnitt 5,20 Meter Schnee.
"Aus dem Auto heraus sind die Chancen meist besser - vor allem im Frühling, weil dann viel Futter für die Bären in Highway-Nähe zu finden ist." Allein im vergangenen Jahr habe er 17 Mal auf diese Weise einen Bär zu Gesicht bekommen.

Etwas besser als am Lake Louise sind die Chancen auf die Sichtung eines Bären am Moraine Lake, der etwas weiter südlich liegt und mit seinem markanten Gipfelpanorama früher die Rückseite der kanadischen 20-Dollar-Note zierte. Auch hier gibt es zwar Busgruppen, die nur für ein schnelles Foto stoppen, aber auch viele Wanderer.

Weil die Bären hier jedoch näher dran an den touristischen Teilen des Nationalparks sind, gibt es auf dem Wegenetz zum Teil Beschränkungen. So dürfen Wanderer immer nur mindestens zu sechst bestimmte Pfade betreten - Gruppen ab dieser Größe werden von Bären in der Regel nicht angegriffen. "Heute werden also die Besucherströme 'gemanagt' und nicht mehr wie früher einfach die Tiere eingefangen und anderswo wieder ausgesetzt, wenn sie irgendwo auftauchen", beschreibt Vincent das Prinzip.

Hinter der Prärie türmen sich die Berge auf

Doch Bären sind nur ein Grund von vielen für einen Besuch im Banff Nationalpark. Die meisten Urlauber kommen wegen des beeindruckenden Bergpanoramas, das bei der Anreise von Osten schon vom eineinhalb Autostunden entfernten Calgary aus zu sehen ist. Wer auf dem Weg quer durch Kanada Tausende Kilometer flache Prärie hinter sich gebracht hat, bekommt hier eine ganz neue Perspektive geboten.

Innerhalb des Parks ist der Bow Valley Parkway zwischen Banff und Lake Louise eine beliebte Alternative zum viel befahrenen Trans-Canada-Highway. Hier stehen die Bäume viel näher an der Straße, das Gefühl von Wildnis fällt etwas intensiver aus - und auch die Chancen darauf, Elche und Wapitis zu sehen, sind hier nicht schlecht.

Banff ist der Hauptort der kanadischen Rockys und eine Ansammlung von Restaurants, Fast-Food-Buden, Andenkenshops und Bekleidungsläden. Die breite Banff Avenue wird dominiert vom Blick auf den 2998 Meter hohen Cascade Mountain, einen von mehreren markanten Gipfeln rund um den Ort.

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