Dienstag, 11. Dezember 2018

Museum of Brands Süß ist die Erinnerung

4. Teil: Im Süßwarenladen

Im Süßwarenladen

Selbst die Atmosphäre im gutbürgerlichen britischen Wohnzimmer anno 1936 mag beim Betrachten der ersten Quality-Street-Konfektverpackung wieder auferstehen. Und so mancher tot geglaubte Klassiker unter den Naschwaren wird aus den tiefer liegenden Verkaufsregalen in das Bewusstsein unserer Geschmacksnerven zurückgeholt. Dem heute Fünfzigjährigen fällt beim "Kitkat"-Werbedisplay aus den 60er Jahren leicht das anerkennenden Lächeln eines längst vergessenen Jugendschwarms aus der Grundschule ein.

Mobil-Macher: Mars-Riegel aus dem Jahr 1932 Milch-Mixtur: Milky-Way-Riegel aus dem Jahr 1935 Kugel-Kiste: Maltesers-Packung aus dem Jahr 1936
Karamel-Kroketten: Rolo-Verkaufsbox, Ende der 1930er Jahre Luft-Leckerei: Aero-Schokolade, Ende der 1930er Jahre Konfekt-Klassiker: Quality-Street-Kiste, um 1950

Süße Verführung
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Großbritannien spielte in Europa Anfang der 1930er Jahre im Bereich Süßwaren eine große Rolle. Lange bevor international bekannte Markenprodukte - vor allem aus den USA - in Deutschland erhältlich waren, gab es sie bereits in Großbritannien: eine große Zeit für Süßigkeitenfans brach an, da viele Unternehmen mit vielfältigen Geschmacksrichtungen und Mixturen experimentierten.

Aufgrund der noch sehr geringen Zahl von Markenprodukten wurde jede Einführung eines neuen Produktes mit großer Aufmerksamkeit verfolgt: der Mars-Schokoriegel wurde in Großbritannien ab 1932 produziert, gefolgt von Milky Way 1935 und Maltesers 1936. Dazu kamen vergleichbare Schokolade-Spezialitäten, wie zum Beispiel die luftige Aero (1935) oder Chocolate Crisp (1935), das zwei Jahre später in Kitkat umgetauft wurde. 1936 kam Quality Street von Macintosh dazu, 1937 folgten Smarties und Rolo.

Der Sammler

Während des Zweiten Weltkrieges gab es so gut wie keine Süßigkeiten. Nach Jahren staatlicher Rationierungen wurden die Restriktionen erst nach Kriegsende wieder aufgehoben. Polo-Pfefferminz wurde 1948 auf den Markt gebracht, 1951 kam Bounty dazu, 1959 schließlich Caramac. 1968 wurde Twix eingeführt - in Deutschland zunächst bekannt als Raider.

Ich habe an einem Wochenende insgesamt 20 Stunden im "Museum of Brands" verbracht und es wurde nie langweilig - zugegebenermaßen liegt das auch an meiner eigenen "Markenverrücktheit". "Normalen" Besuchern empfehle ich einen Aufenthalt von rund zwei Stunden. Sollten Sie jedoch das Glück haben, auf Museumsgründer Robert Opie zu treffen, dann dürfte Ihr Besuch - wie in meinem Fall - erheblich länger dauern.

Denn Opie gilt als weltgrößter Sammler von Werbeartikeln und kann zu jedem seiner Exponate eine eindrucksvolle Geschichte erzählen. Den größten Nutzen eines Museumsbesuches haben Personen, die sich auch beruflich mit Marken oder Nostalgie auseinandersetzen, zum Beispiel Studenten, Marketingentscheider oder Kreative aus Agenturen. Eine ideale Quelle für Ideen und Inspiration.

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