Sonntag, 25. Juni 2017

Queen Mary 2 Kunstwerk mit Tiefgang

Die Queen Mary 2, größtes Passagierschiff der Welt, hat für 24 Stunden im Hamburger Hafen festgemacht. Von außen ein Gigant in Schwarz und Weiß, beherbergt ihr mächtiger Leib eine Traumwelt in Art déco und amerikanischem Lifestyle. Ein Porträt des Transatlantik-Luxusliners, der anders ist als andere Kreuzfahrtschiffe.

Hamburg - Gigantisch wirkt Hamburgs königlicher Gast, die "Queen Mary 2", die sich in den Grasbrook-Terminal der Hafencity eingeparkt hat - und etwas eingequetscht: Hinter ihr ragen die Kräne des Hafens in die Luft, vor ihr liegt Hamburgs historische Speicherstadt.

"Queen Mary 2" im Hamburger Hafen: Die Hansestadt feiert die Königin der Meere mit einer 24-Stunden-Party
Schon von weitem ist der riesige Stahlkoloss zu sehen: Mit über 60 Metern über der Wasserüberfläche überragt der rot-schwarze Schornstein der "QM 2" die Gebäude der Hafencity. Schneeweiß türmen sich die Aufbauten mit den Kabinenbalkons über der schwarzen unteren Hälfte mit kleinen Luken, orange heben sich die Rettungsboote ab.

Die städtische Umgebung bietet der Königin der Meere eine angemessene Kulisse, raubt ihr jedoch auch fern ihres eigentlichen Elements, der Weite des Nordatlantiks, ihre schnittige Eleganz. "Groß", sagt eine Hamburgerin, die mal kurz in der Mittagspause zum Gucken kam, "aber nicht schön." Den Zehntausenden Zuschauern auf dem Dalmannkai bietet die "QM 2" auch nur ihr rundliches Hinterteil zur Ansicht. Das für sie typische, scharfkantig in die Höhe wachsende, elegant gekurvte schwarz-rote Clipper-Bug, das ist nur für die Passagiere der Barkassen und Schaufelraddampfer, die unermüdlich den Ozeanriesen umkreisen, sichtbar.

  "Queen Mary 2" kommt:  Von bis zu 300 Booten eskortiert fährt das Kreuzfahrtschiff in den Hamburger Hafen ein   Die Königin im Nebel:  Rund 300.000 Schaulustige erwarten die "QM 2" in Hamburg   Ein Polizist am Eingang zur "QM 2":  Rund 200 Sicherheitskräfte sichern den Luxusliner
  "QM 2" vor den St. Pauli-Landungsbrücken:  Hamburg feiert seinen königlichen Gast   "QM 2" auf der Elbe:  Zu nachtschlafender Zeit zieht es die Fans ans Wasser   Baden im Pool am Bug:  Die "QM 2" hat fünf Swimmingpools
  Ein einmaliger Moment in Pixel gebannt:  "QM 2" in Fahrt   Festgemacht:  Am Montagmorgen erreicht der Luxusliner vor 7 Uhr etwas zu pünktlich den Grassbrook-Terminal   Lobby mit Passagieren:  Maximal 2620 kann das Schiff aufnehmen, um die sich 1238 Crew-Mitglieder kümmern

"Queen Mary 2"
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Einen Tag lang ist Hamburg Gastgeber für den Transatlantikliner der britischen Reederei Cunard, 24 Stunden lang wird die "QM 2" an dem provisorischen Cruise Terminal aus gestapelte Übersee-Containern der Hafencity liegen, bevor sie sich am Dienstag um 7 Uhr morgens wieder aufmacht, nach Rotterdam. An Bord 2265 Passagiere, die überwiegend aus den USA, Großbritannien, Asien und Australien kommen, unter ihnen sind nur 80 Deutsche. Versorgt werden sie von 1238 Crew-Mitgliedern aus aller Welt.

Die "QM 2" ist ein Schiff der Superlative: Mit 345 Metern ist sie länger als vier Jumbo-Jets, mit 41 Metern so breit wie die Glaskuppel des Reichstagsgebäudes und mit 74 Metern vom Kiel bis zum Schornstein höher als die Niagarafälle und höher als die Freiheitsstatue. Mit 151.500 Tonnen wiegt sie dreimal so viel wie die "Titanic". Getauft wurde sie im Januar von Queen Elizabeth II. in ihrem Heimathafen Southampton und löste im April die "Queen Elizabeth 2", die ebenfalls der Cunard-Reederei gehört, nach 35 Jahren im Transatlantik-Liniendienst von New York nach Southampton ab.

"QM 2" ist anders

Anders als typische Kreuzfahrtschiffe musste auf Grund der Widrigkeiten des Nordatlantiks der Rumpf extradick und der Freibord höher gebaut werden, dabei ist die "QM 2" schlanker als die oft sehr breiten reinen Kreuzfahrer. Mit rund zehn Metern hat sie einen größeren Tiefgang. Mit 157.000 PS erreicht das Flaggschiff der Cunard-Reederei eine Geschwindigkeit von 28,5 Knoten. Auch an Bord hebt es sich von Passagierschiffen, die im Mittelmeer oder in der Karibik kreuzen, ab: Den Passagier empfängt eine luxuriöse Mischung aus dem Art Déco der zwanziger und dreißiger Jahre und amerikanischem Lifestyle, ausgerichtet ist das Design in erster Linie am Geschmack der Gäste aus Übersee.

  "Queen Mary 2":  Der größte beleuchtete Schriftzug auf See   Erste Malerarbeiten:  1238 Crew-Mitglieder sorgen für Schiff und Passagiere   Restaurant "Britannia":  Auf dem Gobelin der niederländischen Textilkünstlerin Barbara Broekman flattern Luftschlangen über die "QM 2" vor der New Yorker Skyline
  Boardwalk Café:  Wer von den kulinarischen Genüssen in den acht Restaurants genug hat, bekommt an Deck Fast Food   Teppich im Ballsaal "Queens Room":  Mischung aus Art déco und amerikanischem Lifestyle   Andrang auf dem Kibbelsteg:  Bis zu 400.000 Neugierige strömten durch die Speicherstadt zur "QM 2"
  Schornstein in den Cunard-Farben:  Die Dampfpfeife stammt von der "Queen Mary 1" von 1936, die heute in Los Angeles liegt   Hubschrauberlandeplatz auf dem Oberdeck:  In rund 60 Meter Höhe ist der Ausblick wie von einem Hochhaus   "Queens Room":  Vier Gentlemen Hosts fordern die Damen zum Tanz
  Bibliothek:  Sie ist die größte auf See, dunkelrote und sandfarbene Polstersessel laden zur geruhsamen Lesestunde   Automaten-Casino:  Auf den einarmigen Banditen räkeln sich Frauenskulpturen im Charleston-Kostüm   "Illuminations":  Das einzige schwimmende Planetarium weltweit

Kunstwerk mit Tiefgang
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Im Britannia-Restaurant, das die Höhe von drei Decks einnimmt und rund 1300 Plätze aufweist, wölbt sich ein Glasdach über elegante Säulen im Marmordesign, an der Stirnseite flattern auf einem riesigen Gobelin der niederländischen Textilkünstlerin Barbara Broekman Luftschlangen über die "QM 2" vor der New Yorker Skyline. Auf den einarmigen Banditen im Automatencasino räkeln sich Frauenskulpturen im Charleston-Kostüm, und im Winter Garden Café schwingen sich rosa Kakadus über den Wandteppich hinter einem weißen Flügel. Allerorts glitzern und glimmern Kronleuchter.

Weites Spektrum zwischen Kunst und Kitsch

Acht Restaurants, sieben Bars und Lounges, Royal-Court-Theater und das erste Planetarium an Bord eines Schiffes, Nightclub, unzählige Treppenhäuser und Flure und natürlich die Suiten bieten viel Platz für die rund 5000 Kunstwerke, mit denen das Schiff überreichlich ausgestattet ist. Fünf Millionen Dollar stellte die Reederei einer Amsterdamer Firma zur Verfügung, die ein weites Spektrum zwischen Kunst und Kitsch zusammenstellte, die an jeder Ecke lauern: Einstein in Pink, Queen Elizabeth in Warhol-Manier oder eine naturalistische Zeus-Skulptur mit Blitz in der Hand. Beruhigend wirken dagegen die langen Gänge zu den Suiten, mit hellen Wänden und lachsfarbenem Teppich.

Sehr elegant und einladend, beinahe versteckt gibt sich die Schiffsbibliothek in Deck acht am Bug. In beleuchteten Book-Cases in dunklem Holz sind Bestseller, Klassiker und Reiseliteratur in vielen Sprachen versammelt. Dunkelrote und sandfarbene Polstersessel laden zur geruhsamen Lesestunde, die Internet-Stationen zum Surfen ein, die großen Fenster geben den Blick frei in den Hamburger Hafen. Dort unten, weit weg, tummeln sich hektisch die Barkassen. Von hier oben wirken sie wie Spielzeugboote.

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