Dienstag, 23. Oktober 2018

Insel-Makler "Für eine Handvoll Perlen kauft heute keiner"

Farhad Vladi verkauft Träume, genauer gesagt: Inseln in aller Welt. Was diese Eilande kosten, wer zu seinem Kundenstamm gehört und welche Tricks er anwendet, um an neue Verkaufsobjekte zu kommen, erzählt der gebürtige Kanadier im mm.de-Interview.

mm.de: Herr Vladi, Sie sind von Berufs wegen damit beschäftigt, Inseln an den Mann und die Frau zu bringen. Haben Sie überhaupt noch Lust, Urlaub auf einem Eiland zu verbringen, oder verbringen Sie Ihre Freizeit in einer Millionenstadt?

Farhad Vladi, 57 Jahre alt, Sohn einer deutschen Hausfrau und eines persischen Kaufmanns, studierte Volkswirtschaftslehre, absolvierte ein Traineeprogramm bei der Deutschen Bank, bevor es ihn 1971 zur Insel-Maklerei zog. In Hamburg und in Halifax (Kanada) besitzt er Büros. Außerdem ist er Insel-Gutachter vor dem Supreme Court der USA.
Vladi: Doch, doch. Ich besitze für meinen Urlaub zwei Inseln, eine davon, die "Forsyth Island", liegt vor Neuseeland, ist sieben Millionen Quadratmeter groß - Helgoland passt da mehrfach rein. 20 Meilen Strand und Wasserfront, 40 Kilometer Wanderwege, 300 Meter hohe Berge. Herrlich! Zwei bis drei Wochen im Jahr bin ich dort.

mm.de: Sie gelten quasi als Monopolist im Metier der Inseln-Maklerei. Wie viele verwalten Sie denn und wie ist die Leidenschaft entstanden?

Vladi: Rund 12.000 Inseln befinden sich in meinem Archiv, verteilt auf 40 Länder, 300 von den Inseln sind ständig auf dem Markt, ich biete allerdings nur etwa 120 an. Die Diskrepanz ist leicht zu erklären: Ich kann schlichtweg nicht alle Aufträge bearbeiten, ich habe schließlich keine Schar von Vertretern, deshalb habe ich mich spezialisiert.

Ich habe die Welt in zehn Inselregionen eingeteilt. Jede Region hat für sich Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel politische, klimatische und sozio-kulturelle Strukturen. Nicht zu diesen Regionen zählen zum Beispiel Indonesien und die Philippinen. Da darf man sich als Ausländer nur zu 51 Prozent an einem Grundstück, also auch an einer Insel beteiligen.

Meine Kunden schütteln angesichts dieser Gesetze nur mit dem Kopf. Außerdem: Denken Sie an die dortige Überbevölkerung. Wollen Sie auf einer Insel leben, in deren Sichtweite auf einer anderen Insel die Einheimischen dicht gedrängt zusammen leben? In Ländern wie Russland, Thailand und Malaysia dürfen Ausländer gar keinen Grundbesitz erwerben. Es gibt also viele schwarze Löcher auf dem Globus.

Insel Tessera/Venedig (Italien): Größe: 8.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 4,5 Millionen US-Dollar. Privatinsel nördlich von Stockholm (Schweden) Insel Flatholmen vor Norwegen, Größe: 5.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 215.000 Euro Insel Íle Biniguet, französische Bretagne, Größe: 1,5 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen. Insel Tago Mago, Ibiza (Spanien), Größe: 6.000 Quadratmeter, Preis: nicht zu kaufen, demnächst zu mieten.
Insel Motu Iriru, Französisch-Polynesien, Größe: 7.000 Quadratmeter, nicht zu kaufen Insel Pohuenui, Neuseeland, Größe: 24 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen, Miete: 300 Euro pro Tag. Insel Forsyth, Neuseeland, Größe: 7 Millionen Quadratmeter, Preis für mietbare Lodge: 650 US-Dollar/Tag. Blick von der Insel Forsyth Cousine Island, Seychellen, Größe: 300.000 Quadratmeter, Mietpreis: 1400 US-Dollar pro Tag

Kauf,- oder mietbare Eilande sowie Privatinseln aus Europa, Australien und dem Indischem Ozean: Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

mm.de: Welche Gegenden sind denn bei Ihren Kunden beliebt? Die Antarktis zählt wohl nicht dazu, oder?

Vladi: Hinsichtlich sehr kalter Regionen habe ich gerade ein kurioses Geschäft getätigt. Vor Alaska wollte ein Hochwildjäger unbedingt auf seiner eigenen Insel auf die Pirsch gehen. Ich habe einen Reiseführer, der sich auf dem Eiland auskennt, angesprochen, der hat mir den Eigentümer der Insel genannt.

So ein Geschäft ist aber die Ausnahme. Für einen längeren Aufenthalt auf Französisch-Guayana, wo es 40 bis 60 Grad heiß wird und früher französische Gefangene gehalten wurden, habe ich noch keine Anfrage erhalten.

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