Dienstag, 12. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

"U-Yacht" für 2,3 Milliarden Euro Warum eine Yacht kaufen, wenn man auch ein U-Boot haben kann?

Luxus-U-Boote: Abtauchen mit "Lovers Deep" und "Migaloo"
Fotos
Motion Code Blue

Pool, Weinkeller und Wellnessbereich sind auf Yachten üblich. Unüblich wird es allerdings, wenn man mit letzteren auch abtauchen kann. Zwei Österreicher entwickelten ein privates Luxus-U-Boot, mit dem genau das möglich ist: Die "Migaloo" für rund 2,3 Milliarden Euro.

Die Superreichen haben manchmal Langeweile. Sie schippern durch die Karibik mit ihren Multi-Millionen-Dollar Yachten, träumen in ihren schlummererregenden Jacuzzis in den Tag hinein, fliegen mit ihren Privathelikoptern zum nächsten "Business-Dinner" und schnüffeln förmlich nach dem neuesten Luxus-Spielzeug. Doch Yachten sind out, ist ja klar. Immerhin hat sie jeder. Aus diesem Grund muss was Neues her. Abtauchen ist hier das Stichwort, denn mit dem 283 Meter langen "Migaloo"-U-Boot von der österreichischen Firma Migaloo Private Submersible Yachts geht genau das.

Eine normale Yacht treibt manchmal so herum. Ungefähr wie ein 200 Millionen teures Floß: Es ist flexibel und kann auf der Wasseroberfläche überall "hinfahren". Aber eben nur auf der Wasseroberfläche. Die "Migaloo" mag diese Grenzen nicht, sie taucht dann lieber ab, auf rund 450 Meter um genau zu sein, und erreicht jeden x-beliebigen Standort mit einer Geschwindigkeit von 37 Kilometern pro Stunde, also 20 Knoten in der Sprache der Seeleute. Ein spezielles Glas im Rumpf sorgt dafür, dass dem Druck in dieser Wassertiefe problemlos standgehalten wird und die Gäste an Bord einen einmaligen Einblick in die Unterwasserwelt genießen können.

Die "Migaloo" hat Platz für den eigenen Hubschrauber, einen Swimming-Pool, VIP Suiten, mehrere Bars und ein Design, das von den "Zumwalt-class Destroyer" der U.S. Navy inspiriert wurde.

Ein Leben unter Wasser kann befreiend sein, doch auch ziemlich kostspielig. Bisher gebe es keinen genauen Preis, sagt Christian Gumpold, Chef von Migaloo. Jedoch könne man mit einer Zahl von rund 2,3 Milliarden Dollar rechnen. "Das würde es mit Sicherheit zum teuersten Privatobjekt weltweit machen", so Gumpold.

Private U-Boot-Fahrt zur Titanic

Doch die "Migaloo" ist nicht das einzig verfügbare U-Boot für die Reichen mit Hang zur Extravaganz. Schon seit geraumer Zeit begehren die Menschen in die Tiefen des Meeres abzutauchen. Unternehmen wie Triton Submarines, DeepFlight Adventures, U-Boat Worx BV und Seamagine Hydrospace entwickeln seit geraumer Zeit kleinere Tauchboote. Sie transportieren zwei bis acht Passagiere mehrere hundert Meter tief. Auf jeglichen Schnick Schnack wird verzichtet und private Abenteuerfahrten werden so möglich gemacht - zum Beispiel zur Titanic, die in knapp 4000 Meter Tiefe liegt. Standard sind allerdings Tiefen von rund 1000 Meter.

Richtige Luxus-U-Boote sind erst seit kurzer Zeit im Kommen. Drei Unternehmen - Migaloo, U.S Submarines aus Florida und Ocean Submarine aus den Niederlanden - entwickeln die Art von U-Booten, die man sonst aus James Bond Filmen zu kennen vermag: Eine Reisereichweite von knapp 1000 Kilometer und der geeignete Ort, um Freunde für ein Wochenende einzuladen oder die nächste Weltherrschaft zu planen.

Aktuell existiert jedoch kein privates Luxus-U-Boot. Pläne wie die der "Migaloo" sind viel mehr reine Theorie. Bisher gibt es die lediglich auf Computerbildschirm und in schönen Skizzen.

"Aktuell bauen wir nichts in der Art", sagte L. Bruce Jones, Gründer und Geschäftsführer von U.S. Submarines, und fügte hinzu, dass er sich auf kleinere Tauchboote spezialisiere, da dort der Markt liege.

Kosten-Nutzen- und Sicherheitsbedenken verkleinern den Markt

"Es scheint wie eine zu teure Aufgabe der Technik für den Freizeitsektor", sagte Stewart Campbell, Herausgeber von Boat International. "Bei Yachten handelt es sich häufig um ein Volumen-Spiel - sprich: wie viel Platz können Sie in Ihren Rumpf und Überbau packen? Ich glaube, bei großen Luxus-U-Booten geht diese Rechnung nicht auf. Man bekommt nicht viel Volumen für das Geld und eine normale Yacht für den gleichen Preis, hat einfach mehr zu bieten."

Neben der Kosten-Nutzen-Frage sind es auch Sicherheitsbedenken von Seite der potenziellen Käufer. Und das obwohl die Unternehmen sich an die Sicherheitsnormen halten, die von Organisationen wie dem American Bureau of Shipping und der Norwegischen Klassifikationsgesellschaft DNV GL aufgestellt werden. Reisen unter Wasser scheint für viele also ein zwar aufregender, aber auch unheimlicher Gedanke.

Wenn sich irgendjemand mit dem nötigen Kleingeld aber für das Migaloo-Unterwassergefährt entscheidet, sind die ein oder anderen Fertigkeiten notwendig. Entweder man lernt selbst ein solches U-Boot zu steuern oder heuert eine Crew an. Ocean Submarines hat ein deutsches Trainingscenter mit dem gleichen Simulator wie bei Flugzeugen. So können die Klienten exakt sehen, wie das Abtauchen mit dem U-Boot in der Praxis geht. Das Training dauert normalerweise vier Monate.

Hat man das mal abgeschlossen, sind dem Eigentümer und der Crew keine Grenzen gesetzt. Es gibt keine rechtlichen Beschränkungen in Bezug auf U-Boote. Was nicht heißt, dass der Küstenschutz das persönliche Spielzeug einfach ignorieren wird.

Im Zweifel: Freundschaften mit den Behörden schließen

"Nicht jeder ist begeistert, wenn man in dem Territorium eines Fremden auf Tauchstation gehen möchte", sagte Patrick Lahey, Gründer und Chef von Triton Submarines. Grund dafür seien insbesondere die Bodenschätze, gerade in Ländern wie Griechenland und Frankreich. "Die haben antike Schätze auf dem Meeresboden und fürchten, dass Personen diese stehlen könnten." Dies ginge zum Beispiel mit mechanischen Greifzangen, die ein typischer Zusatz bei Unterwasserbooten sind.

Um den örtlichen Behörden solche Ängste zu nehmen, gäbe es laut Lahey einen einfachen Weg. "Involviere sie in Deine Pläne, versichere ihnen, dass Du nichts stiehlst und gib ihnen zusätzlich die Möglichkeit, Teil einer Expedition zu sein und Dinge zu sehen, die sie sonst nie sehen würden."

Und wenn das nicht funktioniert, dann wäre da immer noch der Jacuzzi, ein Fitnessstudio mit Spa und der Weinkeller. Oder das Open-Air-Kino mit dem alten James-Bond-Klassiker "Der Spion, der mich liebte". Damit auch richtiges Agenten-feeling aufkommt - inklusive Inspiration für ein U-Boot von Ferrari in Weiß. Und wenn auch das nicht befriedigt, dann einfach das machen, wovon Yacht-Besitzer nur träumen können: Abtauchen.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH