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27.01.2012
 

Autofreie Skidörfer

Mit der U-Bahn zur Piste

Winterruhe: Autofreie Skidörfer in den Alpen
Fotos
TMN

Jeder Urlauber träumt von Winterruhe auf dem Berg. Deshalb werben viele Skiorte in den Alpen damit, autofrei zu sein. Aber bequem anreisen wollen trotzdem alle Gäste. Dieses Dilemma lösen Seilbahnen, Elektroautos, Versorgungstunnel - und die höchstgelegene U-Bahn der Welt.

Serfaus/Zermatt - Es war ein echtes Wagnis, damals, vor gut 25 Jahren. In dem kleinen Bergdorf Serfaus in Tirol, wo immer mehr Skifahrer die wenigen Straßen verstopften, hatte man eine verwegene Idee: Eine U-Bahn sollte her. Den Einwohnern stanken die Besucher, von denen sie lebten. Die Wintersportler mussten einmal durchs Dorf, rund eineinhalb Kilometer, um zur Seilbahn zu kommen. Mit dem Auto. Morgens hin, abends zurück.

Eine unterirdische Luftkissenbahn wie in Denver schien die Lösung des Problems, erzählt Alfred Tschuggmal, der so etwas wie der Dorfhistoriker ist. Sechs Meter tief war der Tunnel durchs Dorf, Häuser mussten abgestützt werden, gelegentlich landete Mist aus den Kuhställen in der Betonröhre. Seit 14. Dezember 1985 fährt die Bahn: Parkplatz, Kirche, Raika, Seilbahn - so lautet die Haltestellenliste. Knapp 1500 Meter lang ist die Strecke, nur ein paar Minuten dauert die Fahrt unter dem Dorf.

Mit dem Beginn der Wintersaison ist der Ort nun seit 25 Jahren autofrei. Auch die Einheimischen verzichten. Gäste dürfen ihren Wagen nur zum Hotel lenken und für die Dauer des Urlaubs abstellen. Dann geht es zu Fuß weiter. Oder mit der kostenlosen U-Bahn, die bis heute die höchstgelegene der Welt ist.

Serfaus ist allerdings nicht der einzige Wintersportort in den Alpen, in dem die Autos der Urlauber im Winter draußen bleiben müssen. Auf der Südseite von Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner, sei das Skigebiet Mölltaler Gletscher gänzlich autofrei, sagt Markus Aspetzberger, Sprecher der Österreich-Werbung in Deutschland. Eine Tunnelbahn fährt vom Tal hinauf in das Skigebiet, das Auto kann auch für längere Zeit abgestellt werden.

Sanfte Mobilität ist gefragt

Wer in Werfenweng im Salzburger Land mit der Bahn anreist oder seinen Autoschlüssel nach der Ankunft abgibt, kann auf "sanfte Mobilität" umsteigen, wie es dort heißt: Elektroautos, Scooter und Fahrräder stehen den Gästen rund um die Uhr zur Verfügung, ebenso ein persönliches Anruftaxi sowie das Werfenweng Shuttle.

Die Zentren von Saalbach und Hinterglemm im Pinzgau sind ganzjährig für den Autoverkehr gesperrt, in Ischgl in Tirol wird die Innenstadt im Winter zur reinen Fußgängerzone. Auch Oberlech in Vorarlberg ist im Winter völlig autofrei - dann ist das Dorf nur per Bergbahn oder über die Piste zu erreichen. Die Bewohner und Hotels werden über ein Tunnelsystem versorgt, auch das Gepäck der Gäste kommt so ans Ziel.

Anstrengend wird es für Besucher des Kaisertals im Tiroler Kaisergebirge. Erst seit gut drei Jahren führt überhaupt eine Straße von Ebbs aus in das Dorf - allerdings nur für Einwohner, Betriebe und Einsatzfahrzeuge. Alle anderen müssen wie bisher die 280 Stufen des "Kaiseraufstiegs" erklimmen, so Aspetzberger.

Im Kleinwalsertal an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland soll ebenfalls weitgehend auf das Auto verzichtet werden - sommers wie winters. Der Walserbus verbindet die Orte des Tals. Im Sommer stellen einige Hotels im Tal Ihren Gästen bei Abgabe des Autoschlüssels gebührenfrei Mountainbikes und Fahrräder zu Verfügung. In Oberstdorf ist der Ortskern autofrei - und damit hat die südlichste Gemeinde Deutschlands sogar einen Rekord geschafft: Mit 22,7 Hektar, das entspricht knapp elf Prozent des Stadtgebietes, ist der Ortskern die größte zusammenhängende Fußgängerzone der Welt.

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