Von Klaus Vogt
Auch wenn das Klosterleben in Seefeld nur 181 Jahre währte: die Vergangenheit lebt. So stößt man in dem Gebäude des Fünf-Sterne-Hotels bei Innsbruck an jeder Stelle auf die meterdicken, 500 Jahre alten Mauern, Katakomben und Gewölbe. Im ersten Stock des Hotels erzählt eine Reihe von Ölgemälden die Geschichte vom Hostienwunder, und auf allen Etagen warten hölzerne Heilige auf das Jüngste Gericht.
Auch in anderen ehemaligen Klöstern versucht man die spirituellen Aspekte der Vergangenheit in ein modernes Beherbergungs- und Erholungskonzept zu integrieren. Statt Askese und Enthaltsamkeit werden dem Gast Regeneration, Harmonie und Zeit geboten, so auch im Kloster Hotel Marienhöh Hideaway & Spa im Hunsrück. 2002 hatten die Marienschwestern das Kloster aufgegeben, 2009 war das Hotel fertig, das über ein modernes Spa mit schöner Therme verfügt. Auch hier spielt man gern auf die Historie an - der Wellness-Bereich firmiert unter der Bezeichnung "Heiliggeist-Spa". Dort hat man Massagetechniken aus dem Westen, aus Fernost und Hawaii zu einem neuartigen Konzept zusammengeführt: Die "Marienhöh Signatur-Behandlungen". Die eigens für das Haus komponierten Massagen, Bäder, Peelings und Packungen dienen vor allem der Entspannung.
"Die Tür ist offen, noch mehr das Herz" begrüßt das Klosterhotel Wöltingerode seine Gäste mit einem alten Spruch der Zisterzienser. Das Drei-Sterne-Haus am Fuße des Harzes, das 1174 als Benediktinerkloster gegründet wurde und kurz darauf zu einem Kloster für Zisterziensernonnen wurde, setzt heute auf eine Mischung aus Tradition, Moderne und klösterlichem Ambiente. Seit 2008 werden die klösterlichen Räumlichkeiten als Hotelbetrieb genutzt. Teile der großen barocken Klosteranlage mit Kirche, Kreuzgang, Klosterbrennerei und Klosterinnenhof erinnern an das einstige mönchische Leben.
Das Kloster Hornbach in der Nähe von Zweibrücken blickt sogar auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurück. 742 wurde es vom missionierenden Wandermönch Pirminius gegründet. Es gilt als das Stammkloster der Salier und war nach dem Tod seines Gründers lange Zeit Wallfahrtsort. Die ursprünglich kleine Anlage wurde immer wieder erweitert und schließlich zum reichsten und bedeutendsten Kloster innerhalb der Bistumsgrenzen von Metz, Speyer, Trier und Straßburg. Vieles der ehemals mächtigen Anlage ist heute noch zu sehen.
Und auch die alte Benediktinerregel des "Ora et labora in convice - Beten und Arbeiten in Gemeinschaft" ist auch heute noch aktuell. Der moderne Hotelbetrieb mit Gourmetgastronomie, der 2000 eröffnet und 2011 zum besten deutschen Tagungs-Hideaway-Hotel gekürt wurde, versucht diese Regel auf die Jetztzeit zu übertragen. Heute bedeutet dies: Konzentriert arbeiten, gesellig sein, gut essen und trinken. Auch das kann Seligkeit bedeuten.
© manager magazin online 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH