Von Maren Hoffmann
mm: Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal in diesem Markt?
Niemann: Wir sind das einzige echte Luxushotel in der City West. Der Gast muss nicht nach Mitte gehen. Und wir haben eine starke Marke. Waldorf Astoria ist die Inkarnation der Luxushotellerie schlechthin. Das Gebäude und die Ausstattung sind einzigartig. Und der Standort ist es auch.
In den 1920er Jahren gab es hier das "Romanische Café", das Erich Kästner mal als "Wartesaal der Talente" beschrieben hat. Hier gingen Leute wie Bertolt Brecht, Otto Dix und George Grosz ein und aus. Dieses Flair wollen wir wieder auferstehen lassen.
Im 31. Stock bauen wir eine 300 Quadratmeter große Präsidentensuite, die einen traumhaften Rundumblick über ganz Berlin bietet - auch über den Zoo: Da sehen Sie vom Sofa aus die Elefanten und Giraffen. Wir werden das einzige Guerlain-Spa in Deutschland haben. Einen fantastischen Ballsaal. Und der Service wird exzeptionell sein.
mm: Wie wird die Inneneinrichtung aussehen?
Niemann: Modern mit klassischen Elementen. Unser Stammhaus in New York ist ja eine Perle des Art Déco. Das soll sich auch hier in Berlin widerspiegeln. Und wir werden, wie das Stammhaus, eine Peacock Alley haben - eine Lobby, die Lust macht, zu schauen und gesehen zu werden. Wie in jedem Waldorf Astoria wird es auch in unserer Lobby eine Grandfather Clock geben, eine eigens für das Haus gestaltete, große Standuhr. Unsere Bauleitung ist eigens in die italienischen Steinbrüche nach Verona gefahren, um den Marmor für die Bäder auszusuchen.
mm: Wenn man aus dem Fenster des Ballsaals schaut, sieht man einen Beate-Uhse-Sexshop, eine Pfandleihe, ein AO-Hostel, einen Burger King. Und den Bahnhof Zoo. Ist das wirklich das passende Umfeld für ein Luxushotel?
Niemann: Das wird sich zeigen. Die City West ist ein dynamischer Standort, und wir gehen davon aus, dass sie sich verändern wird. Dieser Wandel wird auch vom Waldorf Astoria ausgehen. Wir sind Trendsetter. Ich kann natürlich nicht über Eigentümer oder Mieter von anderen Objekten sprechen. Aber seit unser Projekt Formen annimmt, ändert sich das Umfeld bereits. Wir sehen das am historischen Zoobogen, der jetzt für 100 Millionen Euro modernisiert wird. Die Kirche hat die Gedächtniskirche in Angriff genommen. Wir wollen mit den Nachbarn eine Partnerschaft aufbauen, dazu gehören auch die Deutsche Bahn und das Europa-Center, um zu sehen, wie man den Standort gemeinsam entwickeln kann.
mm: Die gehobene Hotellerie klagt seit langem über Fachkräftemangel. Sie auch?
Niemann: Wir werden im Waldorf Astoria etwa 200 Arbeitskräfte beschäftigen, plus externe Dienstleister etwa für Reinigung und Sicherheit. Vom ersten Tag an, als publik wurde, dass ich General Manager des Waldorf Astoria in Berlin werde, habe ich schon Bewerbungen für dieses Haus bekommen: Für die Küche, für den Service, für Managementfunktionen. Da war ich noch nicht mal hier, die Leute haben ihre Unterlagen an mein Büro ins Hilton nach Bukarest geschickt, wo ich damals noch gearbeitet habe. Die Anziehungskraft der Marke ist extrem groß.
mm: Wie lange werden Sie brauchen, bis das Haus Gewinn abwirft?
Niemann: Wir wollen im ersten Jahr profitabel sein.
mm: Das ist ehrgeizig.
Niemann: Aber realistisch. Berlin hat ein starkes Potential. Nach Paris und London, aber vor Rom ist Berlin die Stadt mit dem dritthöchsten Touristenaufkommen in Europa. Wir sind sehr zuversichtlich.
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