Von Maren Hoffmann
Berlin - Die untergehende Abendsonne streut warmes rotgoldenes Licht über die Stadt. Übergoldete Häuserblöcke, Parks, Straßen, das geht bis zum Horizont so weiter. Berlin kann wunderschön sein, wenn man es von weit oben betrachtet, und es gibt wohl kaum einen besseren Ort dafür als den 31. Stock des neuen Waldorf Astoria mit seinen bodentiefen Panoramafenstern. Hier wird die 300 Quadratmeter große Präsidentensuite gebaut, die später einen fünfstelligen Betrag kosten soll - pro Übernachtung. Noch ist das neue Hotel ein Rohbau, aber Ende des Jahres soll es fertig sein und neuen Glamour in die Hauptstadt bringen.
Der Glamourfaktor der Gegend, in der er steht, ist allerdings derzeit noch überschaubar, um es vorsichtig auszudrücken. "Zoofenster" heißt das Gebäude, in dem des logieren wird; aber von den Fenstern der unteren Stockwerke sieht man nicht nur den Zoo, sondern auch den dazugehörigen Bahnhof sowie etliche Betriebe eher luxusferner Branchen - einen Sexshop, einen Schnellimbiss, eine Pfandleihe.
Ein Zimmer allerdings ist schon als Showcase fertiggestellt, exemplarisch für die 232 meist um die 40 Quadratmeter großen Zimmer und Suiten, die das Hotel haben wird. Hinter einer schweren Holztür findet sich klassischer Luxus: Ein von zwei Seiten zugängliches Bad, in den großen Spiegel ist ein Fernseher integriert, es gibt Fußbodenheizung und eine verschwenderische Kissenfülle auf dem opulenten Bett. Der Marmor fürs Bad kommt aus Verona, der kostbare Boden ist noch durch grobe graue Filzläufer geschützt.
Generaldirektor Friedrich W. Niemann, dessen Bauhelm und Reflektorweste stilecht das Waldorf-Astoria-Logo ziert, will dieses Haus zum ersten am Platze machen - ein ambitioniertes Ziel, denn der Luxussektor ist in Berlin hart umkämpft. 230 Millionen Euro hat der Investor Swan Operations aus Abu Dhabi in das Projekt gesteckt.
Peacock Alley und Guerlain-Spa
mm: Berlin hat mehr als zwanzig Fünf-Sterne-Hotels. Es gibt das Adlon, das Hotel de Rome, das Kempinski, das Ritz-Carlton. Warum braucht Berlin jetzt auch noch ein Waldorf Astoria?
Niemann: Wir sehen die Stadt als absoluten Wachstumsmarkt. Und unser Standort in der City West ist in unserem Segment noch gar nicht besetzt. Berlin hat sicherlich viele Fünf-Sterne-Häuser, aber im Vergleich zu internationalen Metropolen gibt es nur eine Handvoll echte Luxushotels. Da sehen wir noch Potential.
mm: Wie wird sich Ihre Klientel zusammensetzen?
Niemann: Der Gästemix in Berlin ist etwa hälftig aufgeteilt. 50 Prozent kommen aus Deutschland. Die andere Hälfte kommt aus dem Ausland, die meisten aus dem europäischen Raum - Großbritannien, Frankreich, Italien. Aber auch aus Nordamerika kommen viele Gäste, und wir beobachten Zuwächse im asiatischen Segment.
mm: Berlin hat im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten relativ niedrige Zimmerpreise. Wie wollen Sie hier rentabel arbeiten?
Niemann: Man muss sich ja mit jedem Produkt am Markt orientieren. Die Preissituation in Berlin ist sicherlich eine andere als in London oder Paris. Oder in München. Wir werden uns also im obersten Preissegment in Berlin orientieren, aber dem hiesigen Markt angepasst.
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