Von Maren Hoffmann
Nürnberg und Ulm spielen in einer Liga mit Hamburg und München - jedenfalls, was ihre Eignung als mögliche Standorte für neue Hotelprojekte angeht. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt ein neuer "Hotelinvestment-Attraktivitäts-Index", den das Touristik-Beratungsunternehmen Treugast Solutions Group in Zusammenarbeit mit Colliers Hotel erstellt hat.
Das Städterating, das am heutigen Mittwoch zusammen mit dem jährlichen "Trendgutachten Hospitality" von Treugast vorgestellt wird, will renditeorientierte Entscheidungsgrundlagen für Investoren und Projektentwickler bieten. Für den Index wurden 64 Städte auf 50 Kriterien untersucht. Wirtschaftliche Eck- und Entwicklungsdaten, verkehrstechnische Anbindungen und die Lage innerhalb Deutschlands spielten ebenso eine Rolle wie die Situation des Wettbewerbs in der jeweiligen Stadt und die Entwicklung der Übernachtungen, Miet- und Grundstückspreise und Arbeitslosenquote. Auch Sonderfaktoren wie Messen oder Hightech-Standorte wurden in die Bewertung einbezogen.
"Die emotionale Beurteilung des versierten Beraters stimmt nicht mit dem objektivierten Wert der Analysen überein", sagt Stephan Gerhard, Gründer und Chairman der Treugast Solutions Group. "Ulm war eine Überraschung. Ich kenne die Stadt relativ gut und hatte nicht den Eindruck, dass sie noch Hotels braucht. Aber es gibt eine positive Entwicklung der Wirtschaft und der Übernachtungszahlen, und viele der dortigen Häuser sind schon etwas in die Jahre gekommen. Die Analyse ergibt, dass Ulm durchaus attraktiv ist für eine B-Standort-Entwicklung."
Bisher sind die in der Branche als B- und C-Standorte klassifizierten Städte eher das Terrain angestammter mittelständischer Privathoteliers. Gerhard sagt deshalb einen "gewissen Verdrängungswettbewerb" voraus: "Die Hotelketten haben vor allem im mittleren Segment aufgerüstet, und die Ketten sind diejenigen, die die Expansion treiben und in die neuen B-Standorte vordringen." Vor allem Budget- und Midscale-Hotellerie werden dabei vorangetrieben: "Das Luxussegment hat deutlich zu spüren bekommen, dass dieser Markt im Moment nicht in die Zeit passt."
Unter den Top Ten des Städteratings finden sich auch Standorte wie Bremen, Augsburg und Würzburg. Potsdam und Ingolstadt verpassten die obersten Plätze nur knapp. "Würzburg hat mich nicht überrascht, weil es in der Vergangenheit relativ wenig entwickelt wurde, aber touristisch in einer Liga mit Heidelberg spielen kann. Es gab immer wieder Ansätze, in dieser Stadt etwas zu tun, aber die wurden bisher noch nicht zu Ende geführt", erläutert Gerhard. Bremen hingegen sei in der Branche bisher nicht unbedingt als attraktiver Standort für neue Projekte bekannt - allerdings mache die wirtschaftliche, die soziodemografische und die touristische Entwicklung der Stadt sichtbar, dass sie durchaus noch für weitere Hotels attraktiv sein könne.
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