Muonio - Sobald das Geschirr angelegt wird, ist es mit der Ruhe vorbei. Elviira und Njalla wollen los, sie ziehen und kläffen. Pastis und Pommac spielen dahinter völlig verrückt, springen hin und her, wedeln mit dem Schwanz und jaulen um die Wette. Huskys laufen für ihr Leben gern. Einmal losgelassen, sind sie kaum noch zu stoppen. Hannes muss sich mit seinem ganzen Körpergewicht auf den Schneepflug stellen, damit die Hunde nicht ohne ihn losrennen.
"Solch motivierte Angestellte würde sich wirklich jedes Unternehmen wünschen", sagt Husky-Führer Ralph Etzold. Dann gibt er das Startzeichen und scheint die Hunde von einer unglaublichen Qual zu erlösen. Unter lautem Gebell hetzen sie wie vom Teufel getrieben durch den tiefen Schnee. Ralph fährt voran. Hannes, Uli, Steffen und Sandra versuchen, sich auf den kippeligen Kufen zu halten. Auch nach einem Kilometer müssen sie noch permanent mit einem Fuß auf dem Schneepflug stehen - der Laufdrang der Hunde ist einfach zu groß.
Wäre da nicht die Angst, der Schlitten könnte in der nächsten scharfen Kurve umkippen, würde man die Rasselbande am liebsten einfach laufen lassen. Die Hoffnung besteht darin, die Tiere könnten schon bald etwas müder werden. Was für eine Täuschung! Denn Huskys wollen immer laufen. "Sie sind daran gewöhnt, in der Wildnis unter härtesten Bedingungen zu überleben und große Strecken zurückzulegen, um Nahrung zu finden", wird Ralph später am Kaminfeuer erklären.
Der erste Tag der Tour geht schnell vorüber. Von einer Huskyfarm in Muonio, rund 80 Kilometer nördlich des Polarkreises gelegen, geht es über 25 Kilometer zu einer Hütte am Torasjärvi-See. Nach ein paar Stunden haben sich die Touristen an alles gewöhnt und wissen nun, wie sie sich in die Kurven legen müssen. Jetzt endlich ist es möglich, die Schneelandschaft im äußersten Nordwesten Finnlands zu genießen. Die letzten Häuser und Ski-Langläufer sind längst verschwunden, und die Husky-Expedition taucht ein in die tiefe Wildnis Lapplands.
Doch der Genuss währt nicht lange. An der Hütte angekommen, heißt es arbeiten - und zwar für alle. Steffen und Sandra kümmern sich ums Wasser holen. Die Holzhütten bieten weder Strom noch fließendes Wasser, was das Gefühl von Abenteuer enorm steigert. Bewaffnet mit Eisbohrer und Schaufel, macht sich das Paar aus Leipzig also auf zum See. Denn erst einmal muss das Eis aufgehauen werden, um an das Wasser zu kommen. Unterdessen schwingen die Österreicher Hannes und Uli das Beil. Das Holz kommt später, zuerst muss kräftig gefrorenes Fleisch gehackt werden. "Die Hunde werden immer zuerst versorgt. Dann erst kommen wir an die Reihe", erklärt Ralph die Spielregeln. 30 Kilogramm Fleisch brauchen die insgesamt 32 Schlittenhunde täglich.
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