Von Kerstin Walker
"It's how love should be," philosophiert die Managerin einer Londoner Firma mit stark britischem Akzent, schwärmte vom Luxus der Einrichtung und dem ausgezeichneten Verhältnis aus Freundlichkeit und Diskretion des Personals. Als sich einige Dachrunden später erste Schweißperlen auf ihrer Stirn zeigten, spielte der Beobachter bereits insgeheim die absurde Vermutung durch, Nancy könne vom Hotelmarketing als Vorzeigegast losgeschickt worden sein.
Wobei das von ihr erwähnte Innenleben des Hotels, der Luxus dieses verschwenderischen Einrichtungsstils, der durch kostbare Kunstgegenstände aufgewertet wird, in der Tat einen beeindruckenden Nebeneffekt hat. Ein Aufenthalt im Ritz ist, als würde man in einem Museum wohnen. So gut wie jede Wand, jede noch so gewaltige Halle und natürlich auch die Zimmer zieren Werke international angesehener Künstler.
Besonders anschaulich ist die Fahrt mit dem Aufzug vom elften Stock hinunter ins Spa. Ein Zwischenstopp im Zweiten, um den großen, handgeknüpften Wandteppich von Sarah Afonso mit einer Abbildung der Vier Jahreszeiten zu bewundern. Im Stockwerk darunter, das zum großen Ballsaal führt, ziert ein Schieferfresko von Martins Correia das Treppenhaus.
Talent statt Konformität
Einige Meter weiter schon das nächste Werk: Eine Wandmalerei mit kostbaren Perlmuttintarsien von Pedro Leitao. Einige der Künstler, die in der Planungsphase vom Ritz beauftragt wurden, begehrten gegen die Estado Novo, die diktatorische Staatsform Salazars auf. Dass ihre Werke trotzdem aufgehängt wurden, ist dem damaligen Direktor Manuel Queiroz Pereira zu verdanken, der seine Auswahl auf Grund ihres Talents traf und weniger wegen der gezeigten politischen Konformität.
Doch so imposant das Ritz auch sein mag, mit seinen bis ins Detail durchgestylten Suiten, seinen Kingsize-Badetüchern in marmorverkleideten Bädern, den Louis-XVI-Möbeln und den aufwändigen Freskenmalereien im Stile Jean Pillements - für viele ist das schlichte Spa der schönste Ort des Hotels. Der in gedecktem Weiß gehaltene Entspannungsbereich im Zen-Design wirkt mit seinen Fluren und den großen Glasfenstern im Gegensatz zum Rest des Hauses puristisch.
Ein nahezu mystisch modernes Flair wird in der Poolhalle durch Marmorsäulen mit gewagten Flammenlampen des Künstlers Lagoa Henriques verstärkt. Darunter unverschämt große Rattanliegen, die so arrangiert wurden, dass man das Blau des portugiesischen Himmels auch aus wirklich jedem Winkel genießen kann. Erst als einer der Angestellten auf leisen Sohlen durch die Halle huscht, um ein wenig "Eau de Bienvenue" von L'Occitane zu versprühen, kommt dem Besucher der Gedanke, ob das jetzt nicht doch ein bisschen zu viel des Guten sei.
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