Von Kerstin Walker
Lissabon - Um halb sieben öffnet die Fitnessebene. Ein großer Glaskubus mitten auf dem Dach des Ritz. Francisco Bráz, der Trainer, schließt die großen Terrassentüren auf. "Bom Dia", grüßt er. Die Tartanbahn draußen auf dem Flachdach ist noch nass vom Tau. Elf Stockwerke tiefer liegt einem die laute Hauptstadt zu Füßen. Aus ihren Straßenschluchten dringt ein Hahnenschrei nach oben. Nichts Ungewöhnliches für Lissabon. Das Heulen der Polizeisirenen aber klingt ein bisschen wie in New York.
Vor fünfzig Jahren, am 25. November 1959, wurde das Ritz Lisboa mit einem großen Galaball eröffnet. Portugals diktatorischer Premier António de Oliveira Salazar hatte in den Jahren zuvor immer wieder die Notwendigkeit betont, Lissabon als das Tor zum Orient und zur fernen westlichen Welt benötige dringend ein repräsentatives Haus.
Für damals nahezu anstößige neun Millionen US Dollar wurde das Ritz auf seinen Wunsch hin von Pardal Monteiro, einem portugiesischen Architekten, gebaut. Zehn Geschäftsmänner taten sich zusammen, die das Unternehmen finanzierten. Noch heute ist das Hotel mit 282 Zimmern und Suiten auf internationalem 5-Sterne-Niveau das beste Haus an der westlichen Atlantikküste. Seit gut einem Jahrzehnt gehört es zur Four Seasons Gruppe.
Schmuckloser, aber luxuriöser Betonkasten
Eigentümerin ist Maude Queiroz Pereira Lagos, Enkelin eines der Gründungsunternehmer. Von außen betrachtet sieht der schmucklose Betonkasten, der auf einem der sieben Hügel von Lissabon steht, keineswegs aus wie ein Grand Hotel. In dem grauen, L-förmigen Gebäude stapeln sich die Gänge auf zehn Etagen. Immerhin setzte Monteiro durch, dass der Standort des Hotels gegenüber dem Park Eduardo VII den illustren Gästen einen Ausblick ins Grüne garantieren würde.
Was das Ritz auszeichnet, wird vielmehr am Interieur sichtbar. Für das Fest, das im späten November im großen Ballsaal stattfand, waren 2000 Gäste aus der portugiesischen Aristokratie, Filmstars und einflussreiche Politiker eingeladen. Wochenlang hatte sich das Personal auf den großen Tag vorbereitet. "Man ließ das Besteck eigens von Christofle aus Paris einfliegen," erzählt Henri Poudensan, Franzose und seit acht Jahren der Marketingdirektor des Hauses. Es war selbstverständlich mit dem Monogramm des Hotels versehen worden.
Das Porzellan für das Dinner wurde bei Vista Alegre bestellt, der besten Manufaktur des Landes. Ganz Portugal fieberte auf ein Ereignis hin, zu dessen Zweck Haute-Couture-Kleider hervorgeholt und lang vergessene Pretiosen angelegt wurden. Zwei Orchester animierten die Anwesenden, die Herbstnacht bis in den frühen Morgen durchzutanzen. Die Empore des Ballsaals, gestaltet wie die Loge eines Opernhauses, wurde in jener Nacht zum Chatroom.
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