Trujillo - Perus Norden ist reich an Bodenschätzen der besonderen Art: 1000 Jahre alter Goldschmuck, Mumien, kostbare Grabbeigaben aus Keramik und Edelmetall. Es sind Hinterlassenschaften der Hochkulturen der Moche, Chimu und Lambayeque, die lange vor den Inka hier riesige Stufenpyramiden und Stadtanlagen schufen.
Das fordert nicht nur die Archäologen heraus, sondern lockt auch Grabräuber an. Die Huaqueros sind meist schneller als die Wissenschaftler, wenn es gilt, eine neu entdeckte Fundstätte zu erforschen. Indiana Jones hätte in der Gegend zwischen den Städten Trujillo, Chiclayo und Chachapoyas seine helle Freude.
Doch 2006 hatte der Archäologe Regulo Franco die Nase vorn: In der gewaltigen Lehmpyramide El Brujo, die 70 Kilometer nördlich von Trujillo liegt, entdeckte er die in 20 Lagen Baumwollstoff eingehüllte, mit Schlangen und Spinnen tätowierte Mumie der Fürstin von Cao. Es war die zweite archäologische Sensation in Südamerika, nachdem in einem Nachbartal im Jahr 1986 bereits der Herrscher von Sipán in einem Wettlauf mit den Huaqueros geborgen werden konnte.
"Die Fürstin von Cao ist sehr jung gestorben. Wir nehmen an, kurz nach der Geburt eines Kindes", sagt Denis Vargas. Er gehört zu den Archäologen, die im Pyramidenkomplex El Brujo graben und immer neue prachtvolle Fresken freilegen. "Wir konnten hier die Grabräuberei stoppen, weil wir die örtliche Bevölkerung eingebunden haben." Der Archäologe kennt die Huaqueros aus den umliegenden Dörfern. Die früheren Grabräuber arbeiten als Helfer für die Wissenschaftler und haben sich mit Hinweisen auf verborgene Wandmalereien einen begehrten Arbeitsplatz geschaffen.
Eine Frau führte das Kriegervolk
Das Grab ist vor allem deshalb eine Sensation, weil die Mumie eine Frau war. Eine Frau als Fürstin der Moche, eines altperuanischen Kriegervolkes: Für Historiker war das eine überraschende Erkenntnis, denn bis dato waren sie nur von männlichen Herrschern ausgegangen. Die Fürstin von Cao starb vor etwa 1700 Jahren. Ende April 2009 eröffnete neben der Stufenpyramide von El Brujo das schwer bewachte Cao Museum, in dem neben der Mumie auch viele Goldketten, Keramiken und Schmuckstücke zu sehen sind.
Für einige Archäologen sind die Moche so etwas wie die antiken Griechen Südamerikas: kämpferisch, aber auch kunstsinnig und ingenieurwissenschaftlich begabt. Dank der vielen Keramiken, Reliefs und Fresken, die Alltagsszenen und Gottheiten zeigen, ließ sich die Kultur, die von etwa 100 vor bis 700 Jahre nach Christus reichte, gut entschlüsseln.
Wie bei anderen Kulturen Südamerikas spielten auch hier Menschenopfer eine große Rolle. Um üppige Ernten in den Tälern des knochentrockenen Küstenstrichs zu erflehen, wurden schon mal Dutzende Krieger erwürgt und von Felskanten gestoßen - für die Auserwählten eine Ehre. Um ihnen die Angst zu nehmen, wurden den Opfern Kokablätter und Essenzen aus dem St.-Pedro-Kaktus verabreicht, der eine starke halluzinogene Wirkung hat.
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