Iserlohn - "Schließen Sie mich doch hier mal für eine Nacht mit einer Taschenlampe ein, dann könnte ich in Ruhe schmökern." Diesen Kundenwunsch hörte Buchhändlerin Andrea Reichart in ihrem Essener Ladenlokal viele Male. So oft, dass ihr 2006 die Idee kam, Ferien zwischen Büchern anzubieten. Mit Hilfe eines vermögenden Freundes setzte sie das Vorhaben in die Tat um: Vor rund einem Jahr eröffnete Reichart das "Literaturhotel Franzosenhohl" im sauerländischen Iserlohn.
Am Waldrand zwischen Forst- und Wanderwegen gelegen wurde aus einer Bauruine ein elegantes Hotel mit einer Besonderheit: Es ist im Börsenverein des Deutschen Buchhandels eingetragen und wird wie eine Buchhandlung mit Freiexemplaren beliefert.
Auf den Fluren, in Zimmern und der Bar wimmelt es nur so vor Bestsellern. Viele Gäste des Hotels kommen nicht mal bis zur Rezeption, bevor sie das erste Buch in der Hand halten. Im Foyer des 25-Zimmer-Hauses ragen meterlange Bücherregale bis an die Decke, gemütliche Sessel tun ihr Übriges in dem ansonsten schlicht und modern eingerichteten Haus.
Alte Schinken und Bücherwürmer sucht man vergebens: "Wir sind kein herkömmliches Hotel, dass sich den Stempel Literatur durch ein paar abgegriffene Klassiker und ein Goethe-Zimmer verleiht", sagt Reichart.
2700 Bücher und Hörbücher warten auf die Gäste. Schon vorher fragt Reichart nach dem Geschmack und stellt ein paar zukünftige Lieblingsromane neben das Bett. "Wer sich nicht entscheiden kann, bekommt einen Krimi. Der geht immer", sagt die Hoteldirektorin. 30 bis 40 Prozent Zimmerbelegung hat das Haus bisher. Noch nicht spitze, aber Geschäftsführerin Hilla Holzhauer, Schwiegertochter des Investors, ist zuversichtlich. "Für das erste Jahr sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, man muss ja auch erstmal über uns reden", sagt sie.
An fast jedem Wochenende gibt es Schreibworkshops oder Autorenlesungen. Reichart holt etwa Obama-Biograf Christoph von Marshall oder Krimiinstitution Horst Eckert nach Iserlohn. "Es ist schön, dass wir durch die Lesungen auch die Menschen aus der Region und dem Ruhrgebiet anlocken", sagt sie.
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