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20.08.2009
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Moganshan bei Shanghai

Sommerfrische für Westler

Von Wieland Wagner

3. Teil: Eine Geschichte über was jedes Haus

Aber den eigentlichen Reiz bieten natürlich die alten Ausländervillen, von denen viele noch leer stehen. Sie sind teilweise von Bambus überwuchert, wie verwunschene Schlösser. Auch die einstige Kirche, die einst frei auf dem Berg thronte, ist stark zugewachsen; sie dient jetzt als Lager und Tischlerwerkstatt.

Zeitzeugen: Auch die Kirche in Moganshan steht noch
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Wieland Wagner

Zeitzeugen: Auch die Kirche in Moganshan steht noch

Mark empfiehlt, Moganshan auf den alten steilen Steinpfaden zu erklimmen, die die Villen miteinander verbinden. Über fast jedes Haus weiß er eine Geschichte zu erzählen, zum Beispiel über das Anwesen von Victor Grosse, dem einzigen Russen, der ein Haus auf Moganshan besaß. Dessen Tochter heiratete in der alten Kirche 1922 den russischen Generalkonsul der nordchinesischen Stadt Harbin. Auf bunt dekorierten Sänften ließen sich die Vermählten über die Bergpfade tragen; allerdings starb die Braut wenige Jahre später an Scharlach.

Und einmal störte gar ein Mord den exklusiven Urlaubsfrieden auf Moganshan: Im Jahr 1912 wurde der Manager des örtlichen Ladens, er hießt R. J. Felgate, erschlagen - der Täter war offenbar der Tischler, der für seine Arbeit nicht bezahlt worden war. Aber manchmal muss auch Mark passen: Was zum Beispiel geschah mit der Villa "Moganshan Nr. 210", an die nur noch ein steinernes Tor erinnert mit der Inschrift "Haus Bergfriede, Laurenz"?

Eintritt fürs Urlauber-Dorf

Das heutige Moganshan fasziniert auch, weil es eben kein reines Ausländer-Ghetto mehr ist, sondern Chinas Aufstieg auch architektonisch widerspiegelt: Einige Villen künden schon mit ihren blauen Fenstern und prächtigen Anbauten von den heutigen chinesischen Bewohnern.

Gleichwohl bemühen sich die lokalen Behörden, den exklusiven Charme von Moganshan zu bewahren. Am Eingang zu dem Urlauber-Dorf kassieren sie ein für chinesische Verhältnisse stattliches Eintrittsgeld von umgerechnet acht Euro.

Die Einheimischen sind Mark bislang dankbar, dass er immer mehr westliche Touristen nach Moganshan lockt. Die Chinesen brauchen Ausländer wie ihn, um an die Historie des Bergidylls anzuknüpfen, aber natürlich wollen sie selbst die Regie über alles behalten.

Nun hofft Mark, dass er langfristig seine zweite Existenz in China behalten darf, seinen Bergfrieden auf Moganshan.

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