Von Klaus Ahrens und Maren Hoffmann
mm.de: Und wie viele Hotels sollen es insgesamt werden?
Rath: Wir wollen wachsen. Wir haben die Vision einer Gruppe von individuellen Hotels. Der Erfolg ist nicht deren Anzahl, sondern der betriebswirtschaftliche Erfolg des einzelnen Hauses. Wenn das Kameha Grand andere Investoren überzeugt, wird auf dem Markt schnell ein positiver Druck entstehen, den Sie schon heute spüren. Die Investoren wollen weg von dem schon Gehabten. Es gibt genügend Standardhotels auf der Welt.
Der Drang nach neuen Marken ist da, das spüren Sie auch bei den etablierten Gesellschaften. Warum hat Starwood eine Gruppe wie W Hotels gegründet? Warum hat Hilton es gerade mit Denizen Hotels versucht? Alle wollen eine neue, innovative Marke haben, weil das Althergebrachte sich abgenutzt hat. Da haben wir eine große Chance, weil wir die Ersten sind.
mm.de: Welche Auslastungsquote peilen Sie an?
Rath: Es kommt viel mehr auf das Zusammenspiel von Auslastung und Rate an. Auslastung ist limitiert, von 0 bis 100 Prozent. Die Rate hingegen ist nach oben offen. In Bonn wollen wir bei der Auslastung relativ schnell über die 60 Prozent kommen. Dabei geht es ja nicht nur um betriebswirtschaftliche Berechnungen - Sie brauchen auch eine gewisse Anzahl an Menschen, um Leben und Bewegung im Haus zu haben.
In der Rate haben wir eine ganz eigene Philosophie. In vielen Häusern fängt ein Zimmer bei 300 Euro an, das teuerste hört bei 400 Euro auf, dann gibt es einen Sprung, und die erste Suite fängt dann erst bei 580 Euro an. Das machen wir nicht. Wir haben einen Ratensprung pro Kategorie von 40 Euro. Wir fangen an für 240 Euro und steigern über unsere sechs Kategorien jeweils um 40 Euro. Das teuerste Zimmer kostet in der Hochsaison zur Messe 320 Euro, die erste Suite beginnt dann bei 360 Euro.
mm.de: Welche Investoren stehen hinter dem Kameha Grand?
Rath: Ich stehe selbst dahinter, auch finanziell. Der Schweizer Holding Luxury Hospitality & Entertainment Group gehören außer mir noch zwei in der Schweiz lebende Privatinvestoren an. Das Kameha Grand ist aber nicht unser Eigentum. Der lokale Investor Jörg Haas hat den Bonner Bogen mit seiner Firma Bonn Visio entwickelt. Mit dieser Gesellschaft haben wir einen Managementvertrag über 30 Jahre geschlossen.
mm.de: Wann gehen die Türen auf?
Rath: Wir eröffnen offiziell am 15. November. Wir übernehmen das Haus bereits einen Monat vorher komplett eingerichtet und trainieren dann allein mit geladenen Gästen hinter geschlossenen Türen. Es wird kein Pre-Opening geben.
mm.de: Wie wollen Sie in der Vermarktung vorgehen? Nutzen Sie Hotelportale wie HRS und Hotel.de?
Rath: Jeder einzelne Vertriebsweg ist mir recht. Ich schließe keinen aus. Das kann ich mir gar nicht leisten. Wichtig sind mir die Reisebüros, die Reservierungssysteme, wichtig sind mir auch die Travelmanager und die Eventveranstalter. Natürlich selektieren wir Vertriebspreise nach unserem Anspruch. Wir entscheiden, welche Rate wir wann wie lange einstellen. Wenn man die Reservierungssysteme gut managt, sind alle gut. Wenn sich ein Hotelier über ein Reservierungssystem beschwert oder über deren Provision klagt, finde ich das nicht fair - das ist ja ein freier Markt. Man muss ja nicht teilnehmen.
mm.de: Nennen Sie uns Ihr Lieblingshotel?
Rath: Brenner's Park-Hotel in Baden-Baden. Die haben eine exzellente Lage, einen hervorragenden Service, einen erstklassigen Spa-Bereich, sehr gute Gastronomie - und eine einzigartige Tradition. Und sie sind wirtschaftlich sehr erfolgreich. Das zweite Haus ist ein gemütliches Resort in Asien, in dem ich unrasiert die Seele baumeln lassen und in Schlappen herumlaufen kann.
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