Der ausladende Treppenaufgang, die Kronleuchter, die Porter an der Tür in bunter Uniform - der Besucher erwartet fast, an der nächsten Ecke einen kolonialen Feldforscher mit Tropenhelm oder Engländerinnen im Charleston-Kostüm zu sehen.
Maskenbälle und Tea Parties, dafür war das Raffles vor 100 Jahren legendär. Es erlangte schnell Kultstatus unter den Fernreisenden, vor allem aus dem Mutterland und der feinen englischen Gesellschaft vor Ort. Das Ambiente lebt in den Ballsälen und im Palmengarten bis heute fort. Nur die nahe gelegenen Wolkenkratzer passen nicht ins nostalgische Bild.
Legenden gibt es jede Menge: wie die vom letzten wilden Tiger in Singapur, der angeblich in der Long Bar niedergestreckt wurde. In Wirklichkeit war 1902 ein Tiger aus einem Zirkus entlaufen, der auf dem Raffles-Gelände in die Ecke getrieben und erschossen wurde. Die Engländer tanzten auch nicht im Ballsaal, als 1942 die Japaner einmarschierten. Ein Eierbecher, den Herbert Henry Brown 1919 "auslieh", fand aber tatsächlich seinen Weg zurück: Sein Sohn schickte das gute Stück 1992 aus England nach Singapur.
Die vier Sarkies-Brüder aus Armenien eröffneten an dieser Stelle 1887 ihre erste Herberge. 1899 entstand das Hotelgebäude, das heute noch zu sehen ist. Sie benannten es nach Sir Stamford Raffles, der fast 100 Jahre vorher die britische Präsenz in Singapur etabliert hatte. 1989 wurde das Gebäude als Nationalmonument deklariert.
Christiane Oelrich, dpa
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