Singapur - Es steht für Fernweh mit Kolonialcharme, Exotik am Äquator: Das Raffles Hotel in Singapur ist eines der berühmtesten Hotels der Welt. Das 121 Jahre alte Haus steht gerade in den Schlagzeilen: Prinz Al Walid bin Talal, der in der globalen Wirtschaftskrise schwer gebeutelte saudische Besitzer, soll nach einem Käufer suchen, heißt das Gerücht.
Seine Investmentfirma Kingdom Holding hat zwar bekundet, dass die Gruppe Fairmont Raffles Hotels integraler Bestandteil ihres Hotelportfolios sei. Sie habe vor kurzem die Genehmigung zur Erweiterung des Raffles um 78 Zimmer erhalten. Zurückgewiesen hat sie die Verkaufsabsichten aber nicht. Für das Hotel wäre es der zweite Besitzerwechsel in vier Jahren: 2005 ging es aus singapurischem Staatsbesitz an eine US-Investmentfirma, heute ein Partner des saudischen Prinzen.
Der Besucher tritt auf den Spuren illustrer Gäste über die Schwelle des 1991 rundum renovierten Hotels: Die Autoren Somerset Maugham und Rudyard Kipling waren dort, Charlie Chaplin und Elizabeth Taylor, Englands Königin Elizabeth II. und US-Präsident George Bush "der Erste". Berühmt ist die "Long Bar". Frische Luft wird hier nicht mehr von Dienern mit Palmwedeln zugefächelt. Aber an der Decke hängen Dutzende Fächer, die sich elektrisch und im Takt hin und her bewegen.
Eine Klimaanlage gibt es heute auch, das Moderne ist diskret versteckt. In den Toiletten läuft das Wasser zwar aus alt anmutenden goldenen Wasserhähnen, daneben hängt hinter Holzverblendungen aber ein ultramoderner automatischer Turbo-Händetrockner.
Jennifer David (52) aus London sitzt in einem der Rattansessel, vor sich einen Singapur Sling. Barmixer Ngiam Tog Boon erfand den berühmten Cocktail auf der Basis von Kirschbrandy 1915. David ist mit dem Rucksack durch Asien gereist. "Für das Raffles habe ich extra einen Rock eingepackt", erzählt sie und wirft lustvoll eine Hand voll Erdnussschalen auf den Boden.
Das ist das Markenzeichen der Long Bar: die Erdnussbox auf jedem Tisch, die Schalen auf dem Kachelboden. "Ich habe an der Rezeption mit meinem vornehmsten Akzent nach der Long Bar gefragt", sagt Jennifer. "Im Raffles-Hotel taucht man schließlich in eine andere Welt."
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