Holzgötzen und Heilige
Richter unterscheidet 15 architektonische Stile innerhalb der Mayawelt. Nur wenige Stätten seien touristisch erschlossen, sagt er, die meisten lägen noch unter dem Dschungel verborgen. Wenn Richter ins Erzählen kommt, schildert er auch seine Erlebnisse mit Grabräubern. Die illegalen Schatzsucher sind ein ernstzunehmendes Problem in Guatemala, zerstören sie doch in ihrer Gier die Kunstwerke der Maya. Es gebe organisierte Banden mit 50 bis 70 Leuten, die nicht vor Morden an den Wächtern zurückschreckten und für große Mafia-Ringe in den USA arbeiteten. In Aguateca hätten sie alte Mayastelen mit dem Hubschrauber abtransportiert, um sie auf dem Schwarzmarkt meistbietend zu verkaufen.
Lohn des Schweißes: Wer sich in Tikal die Treppen hochplagt, wird für seine Mühen mit einem großartigen Ausblick belohnt
Plötzlich steuert er an eine mit Plastikflaschen im Geäst markierte Einfahrt am Südufer der Lagune. Das Ziel ist erreicht. Auf einem natürlichen Plateau hoch über dem See erhebt sich Aguateca. Ein guter Platz, das Umland zu kontrollieren. Quer durch die Anlage zieht sich ein bis 70 Meter tiefer natürlicher Graben. Auf der Westseite der Schlucht lag das Zentrum mit Plaza, Palast und Stelen. Letztere sind jetzt nur noch Kopien. Die meisten Originale wurden von Grabräubern gestohlen. Der Rest ist in Museen sicher untergebracht.
Rund 2000 Menschen der Maya-Oberschicht - Herrscher, Priester, Ballspieler, Krieger - lebten hier. Außerhalb siedelten weitere 10 000 Menschen. Keiner weiß genau, warum die Maya verschwunden sind. Richter kennt 28 Theorien. Aguateca war eine der ersten Stätten, die aufgegeben wurden, Tikal eine der letzten.
Besonders im Hochland ist die Maya-Kultur noch lebendig. In den gut ein Dutzend am Ufer des Atitlán-Sees gelegenen Ortschaften leben die Bewohner nach alter Tradition und verehren neben katholischen Heiligen ihre eigenen Götter wie den Holzgötzen Maximón.
Hier tragen sie auch ihre farbenfrohen Trachten. Während etwa die Frauen von Santa Catarina Palopó ihre Haare geschickt in den Turban hineinflechten, findet man in Santiago Atitlàn den auf der 25-Centavo-Münze abgebildeten Tocoyal. Ein meist zwölf Meter langes, bunt besticktes Band wird so um den Kopf gewickelt, dass es wie ein Heiligenschein wirkt. Jede Region hat ihre eigenen Muster. Um die Huipiles, die bunten Blusen, zu weben, binden sich die Frauen den Webrahmen um den Bauch.
Der als schönster See der Welt gepriesene, 130 Quadratkilometer große Atitlán-See, liegt auf etwa 1500 Meter Höhe und wird von über 3000 Meter hohen Vulkanen eingerahmt. Mit Panajachel, der einstigen Hippie-Hochburg, gilt er als wichtigster touristischer Anziehungspunkt im Hochland. Unzählige Kunstgewerbestände verführen mit aus Holz geschnitzten Masken, Webarbeiten oder dem Quetzal als Schlüsselanhänger aus kleinen bunten Glasperlen zum Kaufen. Auch die in Tikal angebotenen Souvenirs werden im Hochland gefertigt.
Cornelia Höhling, ddp
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