Von Mirjam Hecking
"Ein großer Name und viele Erinnerungen"
Die Rechnung geht nicht auf: Der Billigkonkurrenz aus Osteuropa können die Hamburger nicht standhalten. Nur wenige Jahre später scheint die Pleite unabwendbar.
Doch die Traditionsmarke überlebt: Als 2005 die Insolvenz kurz bevorsteht, ergreift die damalige Werkstattleiterin, Alexandra Wienzer die Chance. Zusammen mit den Unternehmensberatern Gerd und Maria Simat-Leins übernimmt sie den Traditionsbetrieb. "Wir hatten einen großen Namen und viele Erinnerungen", sagt Klockmann-Geschäftsführer Gerd Leins rückblickend. "Aber wir mussten bei null anfangen."
Doch der Name Klockmann hat in der Stadt einen guten Ruf. Die Kunden kommen wieder. "Klockmann hatte die Klientel, die man in Hamburg haben muss: Unternehmer, Bankiers, Prominenz", sagt der ursprünglich aus Süddeutschland stammende Leins stolz. Und die kommen wieder, wie auch Normalverdiener, die ihre Taschen und Koffer reparieren lassen.
Die Investition zahlt sich schnell aus: Nach acht Monaten schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen. Die Belegschaft steigt innerhalb von drei Jahren von drei auf 14 Mitarbeiter, von denen mehrere später auch als Teilhaber einsteigen.
Neben der Reparatur handeln die neuen Inhaber auch wieder mit Koffern und Taschen des gehobenen Sortiments. 2007 eröffnet eine Niederlassung in bester Lage - im Hamburger Hof am Jungfernstieg. Anfang 2009 soll eine weitere in der gerade eröffneten Ladenpassage im Hamburger Flughafen hinzukommen.
Und es wird produziert. In der kleinen Werkstatt im Stadtteil Wandsbek zwischen Nähmaschinen, Farbe, buntgefärbtem Leder und Kartons voller Schnallen und Ösen fertigen die Täschnerinnen von Klockmann Koffer, Handtaschen, Reisetaschen, Ringbücher und Handtaschen. Hier wird nach Kräften genäht, geklebt und geheftet - und es werden Ideen entwickelt.
Überzeugt ein Entwurf, wird daraus schon einmal ein Standardmodell. Wie bei der Damenhandtasche "Hamburger Beutel", den eine der Täschnerinnen eigentlich für sich selbst entwarf; oder dem Hemdenkoffer, den eine Unternehmensberaterin vor einigen Jahren bei den Hamburgern bestellte. "Die brachte einen ziemlich verschlissenen Koffer aus den 60er Jahren mit, stellte ihn hin und sagte ganz einfach: So einen will ich haben," erzählt Maria Simat-Leins von der Entstehung des Koffers mit Retrocharme.
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