Wrangell/Petersburg - Nehmen wir die Fähre oder das Flugzeug? Vor dieser Wahl stehen Reisende, die in Südost-Alaska ans "Ende der Welt" wollen. Keine Autostraße führt in die südlichste Ecke des US-Bundesstaates, die als schmaler, zerklüfteter Küstenstreifen zwischen den schneebedeckten Bergen der kanadischen Provinz British Columbia und der Weite des Pazifiks liegt.
Wie eine Lebensader durchzieht die Wasserstraße "Inside Passage" diese Naturlandschaft mit ihren Hunderten von Inseln, Fjorden und immensen Gletschern. "Das ist der Devil's Stopp", sagt Tyler Robinson und deutet vom Cockpit aus auf eine zackig-spitze Felsformation. Das sechssitzige Flugzeug gleitet knapp über das "ewige Eis" des LeConte-Gletschers.
In diese weiße Welt gelangt sonst kein Mensch, höchstens ein paar abgehärtete Bergziegen oder eben der Teufel persönlich, der am Gletscher stoppt, um die Schönheit der Erde zu bewundern. Der Pilot lenkt seine Maschine zurück nach Wrangell, einem Ort mit 2000 Einwohnern. Im Büro der Flugfirma zeigt er seinen Passagieren ein Gletscherfoto von 2002. "Da ist das Eis noch einige Meter länger", meint Tyler. Die Eisriesen schmelzen, auch in Alaska.
Ein Hauch von "Last Frontier"
Durch Wrangell weht ein Hauch von "Last Frontier", vom "Ende der besiedelten Welt", wie der Slogan von Alaska lautet. Vor den einfachen Holzhäusern mit Elchgeweihen an der Fassade stehen Pick-Ups und Männer in derber Arbeitskleidung. Weißkopf-Seeadler hocken auf den Bäumen, wie anderswo Krähen.
Dies ist kein Touristenort wie Sitka oder Ketchikan in der "Inside Passage", die häufig von Kreuzfahrtschiffen angesteuert und dann von Urlaubern auf Landgang überschwemmt werden. Wrangell ist "echtes Alaska", gegründet im 19. Jahrhundert, bevor die Russen Alaska an die Amerikaner verkauften.
Ursprünglich war die Gegend von Tlingit-Indianern besiedelt, einem von fünf Ureinwohnerstämmen Alaskas. Sie nutzten den nahe gelegenen Stikine-Fluss als Handelsroute ins Landesinnere.
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