Neu-Delhi - Neu-Delhi macht es Neuankömmlingen nicht leicht. Die indischen Hauptstädter gelten als unfreundlich und aggressiv. Adäquaten Wohnraum gibt es nur für die Hälfte der 16 Millionen Einwohner, die andere drängt sich in Slums und illegalen Siedlungen. Die Infrastruktur ist in katastrophalem Zustand und chronisch überlastet. Stromausfälle gehören zur Tagesordnung, einige Stadtteile sind noch nicht einmal an die Wasserversorgung angeschlossen. Kultur- und Naherholungsangebote sind Mangelware.
Dennoch zieht es Zehntausende in die Metropole. Angelockt vom wirtschaftlichen Aufschwung kommen die einen vom Land, mit leeren Händen und in der Hoffnung auf eine Anstellung als Bauarbeiter, Rikschafahrer oder Putzfrau. Die anderen sind gut ausgebildet und versprechen sich glänzende Karrieren in den glitzernden Bürotürmen der modernen Dienstleistungsunternehmen. Auch immer mehr ausländische Investoren finden trotz horrender Mieten den Weg in die Stadt. Viele sagen, die indische Hauptstadt sei ideal zum Arbeiten, nicht zum Leben.
"Die an internationale Geschäftsmetropolen gestellten Anforderungen erfüllen wir bislang nicht", räumt Delhis oberster Stadtplaner, V.K. Bugga, ein. Politik und Verwaltung haben angekündigt, das zu ändern. Sie wollen Delhi in eine Weltmetropole verwandeln - mit moderner Infrastruktur, gigantischen Einkaufszentren und eleganten Wohn- und Geschäftsvierteln. Bislang hinken die schwerfälligen Behörden der rasanten Entwicklung der Stadt jedoch hinterher.
Vor gut einem halben Jahrhundert musste die Stadt schon einmal auf gewaltige Umwälzungen reagieren: Im Zuge der Teilung des Subkontinents in die unabhängigen Staaten Indien und Pakistan im August 1947 flohen mehr als zehn Millionen Menschen über die neue Grenze. Hindus zog es in die Indische Union, Muslime nach Pakistan.
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