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14.05.2007
 

Neufundland

Insel am Ende der Welt

Mächtige Fjorde, Eisbergreste oder Elche, die ganz entspannt am Straßenrand grasen. Ins klassische Bild eines Touristenparadieses passt Neufundland sicher nicht. Doch die Insel im Nordosten Amerikas hat mehr zu bieten als wechselhaftes Wetter und betörende Stille - ihre wahre Schönheit erschließt sich erst auf den zweiten Blick.

"Vergiss alles, was du über das Wetter weißt." Ganz nebenbei fällt dieser Satz, beim Anblick von Schneeresten und Eisschollen im Mai, mitten im Nebel, irgendwo auf einer Schotterpiste in Neufundland. Es ist ein Satz aus Annie Proulx' Roman "Schiffsmeldungen", der Neufundland einem großen Lesepublikum bekannt gemacht hat - und nun mehr Touristen auf die kanadische Insel an der östlichsten Nase Nordamerikas lockt.

"The Rock" nennen die Neufundländer ihre Insel, schlicht und einfach Felsen. Für blumige Umschreibungen sei das Leben hier einfach zu hart, sagt Ranger Perry Elliott. Es gibt bitterkalte, lange Winter und kurze Sommer, die es in den wärmsten Monaten kaum über 16 Grad Durchschnittstemperatur schaffen. Wo der warme Golf- und der kalte Labradorstrom sich so nahe sind, entstehen selbst im Hochsommer extrem schnelle Wechsel aus Nebel, Regen, Sturm und Sonnenschein. Die Insel mit ihren mehr als 9000 Kilometern Küstenlänge ist ein Ziel für Wanderer, Camper oder passionierte Golfspieler.

In Kanada galten die Neufundländer lange als das, was in Westdeutschland einmal die Ostfriesen waren: ein wenig seltsam und zurückgeblieben. Doch das ändert sich. Ein Grund dafür ist die Fischereikrise. Neufundlands Küsten mit ihren reichen Kabeljau-Beständen waren so überfischt, dass die kanadische Regierung Anfang der neunziger Jahre ein Fangverbot erließ. Das Gesetz wirkte wie ein Schock und eine Auswanderungswelle folgte. Nach und nach führte der Schock aber auch zu einer Öffnung der abgelegenen Insel: für einen sanften Tourismus.

Wer mit einer kleinen Propellermaschine in der Hauptstadt St. John's startet, landet nach einer Stunde Flug im Städtchen Deer Lake. Unterwegs sind Moore, Seen und Fels zu sehen, einsam und unwirtlich. Doch dann fällt in Deer Lake ein Sonnenstrahl auf die bunten Holzhäuschen, es riecht nach Holzfeuer und Dampfpudding mit Blaubeersoße: Neufundland ist eine Insel für den zweiten Blick.

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