Etwas karg sieht auch New Cairo aus, das 15 Kilometer südwestlich vom Kairoer Stadtrand beginnt. Da die 2000 gegründete Vorstadt aber näher am Zentrum liegt als Sadat City, zieht sie viele Menschen an, die in Kairo arbeiten.
Neben einfachen Wohnblöcken gibt es hier auch prachtvolle Villen und hinter hohen Mauern schwer bewachte Wohnparks für die Superreichen. Diese werden auch durch die neuen privaten ausländischen Universitäten und Schulen angelockt, die sich hier niedergelassen haben. Die vor vier Jahren gegründete German University of Cairo ist schon da. Die American University, die noch am zentralen Tahrir-Platz liegt, will hier demnächst einen riesigen Campus eröffnen.
Eine Satellitenstadt, die zuerst extrem unattraktiv gewesen war, aber nun boomt, ist die 1979 gegründete 6th of October City. Rund 15 Kilometer von den Pyramiden von Giseh entfernt hat sich hier ein kleines Stadtzentrum mit Geschäften, Moscheen und Kinos gebildet. Mahmud Abdul Gamal ist vor vier Jahren von Kairo hierher gezogen, um einen kleinen Gemischtwarenladen zu eröffnen. "Es lohnt sich, hier ein Geschäft aufzumachen. Außerdem ist die Stadt sehr schön zum Leben." Auch große Unternehmen wie BMW oder DaimlerChrysler haben sich dort inzwischen mit Fabriken niedergelassen.
Die deutsche Journalistin Cornelia Wegerhoff lebt mit ihrer Familie in einem schmucken Reihenhaus in 6th of October City. In der Siedlung, die vielversprechend Dreamland heißt, sind Krach, Gedränge und Dreck der Hauptstadt weit weg. "Es ist ruhig, die Luft ist sauber und meine Kinder können vor dem Haus auf der Straße spielen, ohne tot gefahren zu werden", erklärt Wegerhoff.
"Die näher an Kairo gelegenen Städte entwickeln sich bisher besser", sagt Tarek Wafik, Professor für Stadtplanung an der Universität Kairo. In einigen Fällen wurden aus den Satellitenstädten die Stadtviertel von heute, so wie die unter Sadats Vorgänger, Präsident Gamal Abdul Nasser, in den 60er Jahren gegründete Vorstadt Nasser City. Doch mit der Urbanität kamen auch die Probleme, über die die Ägypter im Zentrum klagen. Wer hier wohnt, steht mit seinem Auto auf dem Weg zur Arbeit meist so lange im Stau, dass er unterwegs locker seinen Frühstückskaffee trinken, Anrufe machen und eine komplette Kassette mit Koranrezitationen hören kann.
Fabian Cieslak, dpa
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