Kairo - In keiner Stadt der Welt drängen sich so viele Menschen auf so engem Raum wie in Kairo. Zum Vergleich: Die Großräume Köln und Kairo sind von der Fläche her etwa gleich groß, jedoch leben in der Stadt am Rhein nur eine Million Menschen, während es in der ägyptischen Hauptstadt mehr als 15 Millionen sind - Tendenz steigend. Im Bus, in der Schule, überall herrscht Gedränge. Die Umweltbelastung ist so hoch, dass jeder, der morgens mit einem weißen Hemd aus dem Haus geht, abends mit einem grauen Hemd zurückkehrt.
Um das urbane Knäuel Kairo zu entwirren, hatte die Regierung schon vor 30 Jahren damit begonnen, in der Wüste rund um die Metropole Trabantenstädte zu bauen. Doch die neuen Städte bringen nicht immer den gewünschten Erfolg. Das größte Problem der Stadtplaner ist, dass bisher nur wenige Arbeitgeber bereit sind, sich mit ihren Fabriken und Büros in den Satellitenstädten anzusiedeln.
In Sadat City, 100 Kilometer nordwestlich von Kairo, ist das Konzept der neuen Stadt in der Wüste gescheitert. Präsident Anwar el- Sadat hatte die Siedlung 1979 gegründet. Damals träumte er von einer Art zweiten Hauptstadt mit Ministerien und einer Eisenbahnlinie nach Kairo. Heute leben in Sadat City rund 130 000 Menschen. Viele Wohnungen stehen leer. Doch von Misserfolg wollen die staatlichen Planer nichts wissen.
"Bis 2017 werden hier 500 000 Menschen leben. Das wird schon werden", beteuert Mahmud Abd el-Latif, Chef des Planungsbüro der Stadt. Was er verändern will, um in den kommenden zehn Jahren doppelt so viele Menschen in Sadat City anzusiedeln wie in den vergangenen drei Jahrzehnten, kann er nicht sagen. Sadat City, das sind vor allem öde Wohnsilos, verwaiste Rohbauten und leere Straßen, die ödes Brachland durchschneiden.
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