San Sebastián - Wie ein runder Felsblock erhebt sich La Gomera aus dem Atlantik und streckt sich fast 1500 Meter hoch in den Himmel. Vom Garajonay-Gipfel aus haben Wanderer einen eindrucksvollen Blick auf die Kanareninsel mit ihrem Durchmesser von gerade mal 25 Kilometern. Mehr als 40 tiefe Schluchten graben sich von hier aus den Weg bis zur Küste. Jeder dieser Barrancos ist mit üppiger Vegetation, mächtigen Felsformationen und winzigen Dörfern ein Erlebnis für sich.
Nur wo die Barranco-Mündungen breit sind, entstanden größere Siedlungen wie die Inselhauptstadt San Sebastián. Das Hafenstädtchen war 1492 das Sprungbrett für Christoph Kolumbus, der mit seinen Karavellen "Santa Maria", "Pinta" und "Nina" nach Westen aufbrach, um den Seeweg nach Indien zu finden.
Ein kleines Museum erinnert an den Seefahrer. In seinem Innenhof befindet sich der Kolumbus-Brunnen. Aus ihm sollen die Wasservorräte für die Expedition stammen, eine Tafel spricht pathetisch "vom Wasser, mit dem Amerika getauft wurde." Heute legen im Hafen von San Sebastián vor allem Fährschiffe an, die Touristen von der Nachbarinsel Teneriffa nach La Gomera bringen.
Nach wie vor kommen die meisten Inselbesucher mit einer Fähre, denn die Landebahn des kleinen Flughafens ist zu kurz für große Jets. "Urlauber, die sich in ihren Ferien vor allem Sonne, Sand und Meer wünschen, sind bei uns auf der falschen Insel und sollten sich lieber für das 30 Fährminuten entfernte Teneriffa entscheiden", sagt Jorge, der im Zentrum von San Sebastián eine kleine Weinbar betreibt. La Gomera hat nur wenige Strände, die meist klein und steinig sind.
Unberührte Natur
"Auch wer auf ein ausgeprägtes Nachtleben setzt, wird enttäuscht sein", meint Jorge. Bisher wurde auch auf den Bau von "Bettenburgen" verzichtet. "Es wurde rechtzeitig erkannt, dass die weitgehend unberührte Natur im Inselinneren der größte Schatz Gomeras ist", so der Barbetreiber. So sind es vor allem Individualtouristen, die sich für einen Urlaub auf der zweitkleinsten Kanareninsel entscheiden.
Besonders Bergwanderer zieht es immer wieder nach Gomera. Ein beliebter Ausgangspunkt ist das Valle Gran Rey, das "Tal des Großen Königs" im Südwesten. Es weitet sich von einer engen Schlucht in den Bergen zu einem großen grünen Trichter am Meer. An seinen Seiten kleben Jahrhunderte alte kunstvoll angelegte Terrassen, auf denen Bananen, Papayas und Zitrusfrüchte gedeihen.
Mehr als 160 tropische und subtropische Fruchtbäume - von Avocados über Guaven bis zur japanischen Wollmispel - gedeihen zum Beispiel in der "Finca Argaga". Dort hat die aus Israel stammende Rosita Schrader zusammen mit ihrem Mann vor mehr als 20 Jahren Terrassen angelegt.
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