Von Winfried Bährsch
St. Moritz ist teurer, feiner und glamouröser als die meisten Ski-Dorados, nicht nur in der Schweiz. Jetzt legt das Sonnenparadies im Engadin noch einen drauf – alles wird noch teurer, noch feiner und noch glamouröser. Das Dorf soll zu einem Gesamtkunstwerk mit urbanem Flair werden, mit den Bergen als grandioser Kulisse.
Vor dem Erfolg steht aber erst einmal der Verkauf. Immobilien erreichen in der Winter-Wertschöpfungsregion Nummer eins Preise, die ans Irrationale grenzen. "Hier wird für Grund und Boden jede Summe bezahlt, sieben bis 70 Millionen Franken für ein altes Bauernhaus sind keine Seltenheit", erzählt Hanspeter Danuser, der als Kurdirektor seit Jahrzehnten äußerst gekonnt die Geschicke des Nobelorts managt.
Kein Wunder also, wenn im Dorf kein Stein auf dem anderen bleibt. Viele Hotels wurden verkauft, Berghütten wechseln die Betreiber, Restaurants verändern Konzept und Design, Grandhotels investieren Hunderte von Millionen in eine reiche Zukunft. Das größte Prestigeobjekt prunkt mitten im Ort: "The Murezzan". Die Hotels "Post" und "Albana" wurden verkauft; der englische Stararchitekt Norman Foster hat den alten Kern der Häuser in einen Komplex mit Appartements, Suiten, Geschäften und dem Restaurant "Post Haus" verwandelt.
Manches bleibt beliebig
Schick und urban ist die neue Location, mit Grill, Café und Bar-Lounge, wie es sich für eine Ski-Metropole mit 5500 Einwohnern gehört. Die "Post Haus"-Küche produziert "contemporary alpine dining", was nichts anderes meint als Pasta und Carpaccio, dazu Fleisch und Fisch von Fosters eigens designtem offenem Grill. Frei kombinierbar sind die Saucen zum Gegrillten – das klingt beliebig und ist es auch. Im Winter 2007 will sich die Küche hier steigern; ein neuer Chef soll mit mediterranen Anklängen das Profil schärfen.
Das Hotel "Monopol" mit dem einst besten Restaurant im Dorf wurde ebenfalls verkauft, Direktor und Koch sind gegangen. Der Nachfolger bereitet im Restaurant "Grischuna" recht gute Süßkartoffelravioli mit Salbei und Culatello-Schinken oder confierten Kabeljau mit Rucola, Essig-Butter und Imperial-Kaviar.
Den Weg zum "Innfall", einst das angesehene "Jörimann’s Refugium", können wir uns sparen, weil wir keine Lust auf ein argentinisches Steak verspüren.
All diese Veränderungen fördern den Sinn für Beständiges, etwa für das traditionelle, familiär geführte Hotel "Soldanella", in dessen Heimeligkeit sich nicht nur Stammgäste und Cresta-Fahrer wohlfühlen. Oder man freut sich über den Einfallsreichtum im kleinen, hippen Designhotel "Misani" in St.-Moritz-Celerina, das neben Tapas im Restaurant und originellen Zimmern neuerdings einen Skibutler bietet, der die Bretter vom Hotel zur Piste transportiert. So viel Service muss sein.
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