Dabei kommt es mancherorts zu einem regelrechten Konkurrenzkampf um die begehrten Plätze: Manche Firmen, die für den Abend mit ihrer Belegschaft ein Hanami planen, schicken ihre Neulinge schon tagsüber mit Plastikplanen zu den Kirschbäumen, damit sie die Plätze sichern.
Besonders an Wochenenden finden sich Millionen Familien, Freunde, Studentengruppen und Kollegen unter den zarten Blüten ein. Sake-Flaschen kreisen, auf dem Holzkohlegrill brutzeln Hühnchenspieße und Tintenfisch-Tentakeln, Karaoke-Wettbewerbe steigen. Doch nicht immer endet das kollektive Besäufnis fröhlich. Junge Firmenneulinge sehen sich so manches Mal zum gefährlichen ikki genötigt, dem Austrinken in einem Zug. Ein derbes Ritual, das für manchen im Krankenhaus endet.
2004 mussten in der Hanami-Saison laut der Zeitung "Asahi Shimbun" innerhalb von nur 18 Tagen allein in der Hauptstadt Tokio 152 Menschen wegen akuter Alkoholvergiftung ins Krankenhaus.
Die Kirschblüte dauert nur etwa zwei Wochen, doch für die Japaner liegt gerade in der Vergänglichkeit ihrer Schönheit der besondere Reiz der Kirschblüte. Im Mittelalter galt sie den Samurai, die jederzeit zum Sterben bereit sein mussten, als Symbol ihres Ritterstandes. Und Kamikaze-Piloten schmückten sich mit Sakura, bevor sie sich in den Tod stürzten.
Ein kurzer Frühlingsschauer reicht schon aus, und die Milliarden von Kirschblüten rieseln binnen Sekunden zu Boden. Weniger schön dagegen ist, was am Ende der Hanami- Feiern oft auf dem Boden liegen bleibt: Berge von Müll. Im vergangenen Jahr musste die Müllabfuhr allein in Tokios Ueno-Park, wo sich während der kurzen Sakura-Saison rund 1,7 Millionen zum Hanami einfanden, 158 Tonnen Abfall unter den Kirschbäumen wegräumen.
Lars Nicolaysen, dpa
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