Frankfurt am Main - Es ist nicht das einzige Luxushotel im Rhein-Main-Gebiet, doch die "Villa Kennedy" fällt aus dem Rahmen. Rechtzeitig zur Fußball-WM hat die Mannheimer Fay-Gruppe für 72 Millionen Euro ein Palais im historisierenden Stil des späten 19. Jahrhunderts errichtet. Wer aber im Fünf-Sterne-Plus-Hotel,das Mitte März eröffnet wurde, viel Plüsch und schwere Möbel erwartet, sieht sich getäuscht.
Jedes Zimmer des Hotels, das unweit der "Museumsmeile" am Mainufer im Stadtteil Sachsenhausen liegt, hat ein zurückhaltend-nüchternes Design erhalten. Das ist die Philosophie des Pächters, des britischen Hotelkonzerns Rocco Forte. Mit Deutschlands größter Hotelsuite (326 Quadratmeter) hat die Sandstein-verkleidete Villa Kennedy auch einen Superlativ zu bieten.
Der Bauherr hat dabei aus der besonderen Geschichte des Hotels eine Tugend gemacht. Denn Teil der luxuriösen Herberge ist die denkmalgeschützte Villa Speyer. Das im Jahr 1904 gebaute neogotische Schlösschen gehörte einst einem reichen Frankfurt Bankier, später nistete sich in der Villa mit teils herrlichen Stuckdecken die Max-Planck-Gesellschaft für Biophysik ein.
In der Villa hat Fay wegen des vorgegebenen Zuschnitts vor allem Suiten eingerichtet, darunter unter dem Dach die "Präsidenten-Suite" mit kugelsicheren Fenstern und separatem Zugang für eventuelle Bodyguards. Zum Preis von 3600 Euro pro Nacht ist der imposante Blick auf die Frankfurter Skyline aus dem Turmzimmer natürlich inbegriffen.
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Alle Suiten und Zimmer, die mindestens 260 Euro pro Nacht kosten, sind von dem Londoner Designer Martin Brudnizki eingerichtet worden. Dabei kombiniert der Designer an die 60er Jahre erinnernde Leuchten und Sofas mit moderenem Gerät wie eleganten Flachbildschirmen und hochklassigen Bädern. Abgesehen von den kräftigen Farben in expressionistischen Gemälden über den Betten ist alles in Pastelltönen gehalten, der Luxus wirkt nicht protzig.
Gerade im historischen Teil des Hotels ist die Kombination aus alten Elementen wie den verschnörkelten Holztüren und -decken und modernen Accessoires wie den Leuchten und Gemälden augenfällig. Der neue Teil des Hauses setzt durchgehend auf Art-Déco-Elemente - ganz im Sinne des Understatements, wie es auch in großen angelsächsischen Hotels zu finden ist.
Der ungewöhnliche Stil-Mix im Hotel - gepaart mit dem insgesamt zurückhaltenden Design - scheint nicht ohne Risiko: "Wir sind sicher, es gibt genug Leute, denen das gefällt", sagt Achim Malcher, Geschäftsführer der Fay-Gruppe. Dass die Bauherren den Geschmack der Jury auf der internationalen Immobilienmesse Mipim in Cannes getroffen haben, dürfte Malcher besonders freuen. In der Kategorie Hotels & Tourism Resorts trug das Gebäude den begehrten Mipim Award 2006 für die besten Immobilienprojekte des Jahres davon.
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