Pellworm - Die bei den meisten Nordseeurlaubern unbekannte Insel Pellworm sucht ihre Chance im Besonderen: Standesamtliche Hochzeit auf der Spitze des Pellwormer Leuchtturms. Seit 1998 haben fast 1400 Paare die "140 Stufen ins Glück" erklommen.
"Bei mir gibt es eine seemännische Zeremonie", sagt Hausherr Wilfried Eberhardt, der die klassische Karriere vom Matrosen zum Kapitän auf allen Weltmeeren gemacht hat.
Zum Ausklang der Feiern schlägt er acht Glasen an der Schiffsglocke, das Zeichen zum Wache wechseln. "Damit endet das Junggesellenleben." Dann erklingt ein einzelner Glockenschlag zum Zeichen, dass die neue Wache, das Leben als Ehepaar, begonnen hat.
"Wer sich nicht wenigstens einmal im Leben rings vom Meer umgeben sah, weiß nichts von sich und der Welt." Diesen Satz von Johann Wolfgang von Goethe gibt Eberhardt den Paaren mit einem Glas Sekt, Brot und Salz auf den Weg. Wer dann auf dem schmalen Rundgang direkt unter dem 38 Meter hohen Leuchtfeuer seine Nase in den Wind hält und über das Wattenmeer blickt, ahnt etwas von der Bedeutung der Naturgewalten.
18 Heiratsmöglichkeiten auf 37 Quadratkilometern
Paare, die sich auf dem 1907 gebauten, rot-weißen Turm in luftiger Höhe nicht recht wohl fühlen, können auch einen Fischkutter oder zwischen 17 weiterer Heiratsmöglichkeiten wählen, mit denen die Gemeinde preist. Der Standesbeamte kommt auf Wunsch auch mit in die Nähe der Seehundbänke oder auf eine der Halligen.
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Die Hoteliers und Weltenbummler Ute Lycke und Grant Smith profitieren davon. Das Hotel Friesenhaus stand kürzlich noch zur Zwangsversteigerung. Als die Nordfriesin und der Neuseeländer nach zwei Jahren an Bord ihrer Segelyacht eine Ferienwohnung an der Nordsee kaufen wollten, griffen sie zu. Sie brachten das Hotel in Schuss und sind nun schon im ersten Jahr oft ausgebucht. "Wir sind ein Hochzeitshotel", betont die 51 Jahre alte Lycke.
Bärbel und Werner Köster wissen, was Urlauber auf Pellworm sonst noch suchen: "Ruhe und Geborgenheit fern vom Festlandstress". Die beiden ehemaligen Hamburger haben das vor mehr als 15 Jahren auf der Insel lieben gelernt und zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht. "Wir sind hängen-gebliebene Urlauber", sagt die ehemalige Angestellte.
Heute vermieten sie Ferienwohnungen unter dem Reetdach des Clausenhofs. Was heute ein Schmuckstück im Bauerngarten ist, war damals eine Ruine. Von den Jahren der Pendelei zwischen Hamburg und Pellworm und den Erlebnissen auf der Baustelle berichten die beiden mit großer Leidenschaft.
Der Clausenhof steht stellvertretend für das touristische Prinzip auf Pellworm. Keine Konkurrenz zu Sylt oder Amrum. Keine großen Hotels und keine Sterne-Restaurants.
Tourismus ist lukrativ, aber nicht die Hauptsache
Jahrhunderte lang haben die Bewohner der Insel den Angriffen der Nordsee getrotzt. Sie haben Milch verkauft, Schafe geweidet und Weizen geerntet. "Die Struktur der Insel wird sich nicht ändern", sagt Werner Köster.
Die Pellwormer halten nichts von aufgesetzter Freundlichkeit. Sie bewahren ihren Friesencharme - freundlich und offen, aber oft wortkarg und rau. Wer die rund 37 Quadratkilometer große Insel zum Hochzeitsziel wählt, weiß das zu nehmen und zu schätzen.
Sönke Möhl, DPA
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