Von Martin Scheele
mm.de: Ihr Kundenstamm soll ja geheimnisumwittert sein. Verraten Sie uns, wer dazu gehört?
Vladi: Meine Kunden sind zumeist Freiberufler, Zahnärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater. Außer einem stark erkennbaren Individualismus und einer auffallend überdurchschnittlichen Intelligenz lassen sich ansonsten kaum Gemeinsamkeiten feststellen. Sie werden fragen: "Warum überdurchschnittlich intelligent?" Ganz einfach, die modernen Robinson Crusoes müssen ja schließlich improvisieren, wenn zum Beispiel der Strom ausfällt. Generell kann man sagen: Die Käufer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt und Personen, die auch eine Finca auf Mallorca oder den Kanarischen Inseln besitzen.
Ein Großteil der Kundschaft setzt sich aus Engländern und US-Amerikanern zusammen. Das erkläre ich mir damit, dass England ja Kolonialmacht war und die US-Amerikaner durch das Outdoor-Living stark geprägt sind. Denken Sie nur daran, dass viele US-Amerikaner in ihrer Jugendzeit und auch später auf Zelttour gehen - Stichwort: Pfadfinder.
mm.de: Wie erklären Sie sich überhaupt, dass Ihr Geschäft so gut läuft?
Vladi: Die Menschen aus den Industrienationen wollen immer mehr dem Stress und der Umweltverschmutzung entfliehen. Hinzu kommt: Im Wechsel liegt das Salz der Suppe. Die Leute suchen einfach schneller neue Herausforderungen. Dabei verändern sich auch die Umzugsgewohnheiten. Bis etwa 1960 haben Inselbewohner, auch durchaus aus Industrienationen, beim Umzug auf's Festland ihr Haus einfach mitgenommen, mit Kind und Kegel sozusagen. Da war der Recycling-Gedanke noch richtig ausgeprägt, heute wird alles verschrottet.
mm.de: Noch mal zurück zu den prominenten Käufern. Wer lebt denn zeitweise auf einer Insel?
Vladi: Zuletzt hat der Rapper Marc Anthony ein Eiland erstanden. Einige Jahre sind vergangen, dass Tony Curtis, Diana Ross, Richard Branson, Nichols Cage zugegriffen haben. Und auch Marlon Brando, das ist aber wirklich lange her. Als der die "Meuterei auf der Bounty" gedreht hat, kam er auf den Geschmack. Nicholas Cage bevorzugte ein Eiland vor Venedig. Vermietet habe ich zuletzt an Paul McCartney, der ein Honeymoon-Objekt für seine Hochzeitsreise suchte. Mit der Kelly-Familie bin ich über Schottland geflogen, damit sie sich die Angebote aus der Luft angucken konnten. Der durch das Internetunternehmen "One World" reich gewordene Craig McCaw hat auch bei mir gekauft.
mm.de: Und Deutsche?
Vladi: Außer den genannten, kann ich Ihnen keine weiteren Namen nennen. Nur so viel: Da gab es eine "Unternehmerin des Jahres", die Stahlbänder herstellte. Anfangs meinte sie nur: "Ich habe nur sieben Tage Urlaub im Jahr." Jetzt ist sie mehrere Wochen auf ihrer Insel. Oder das Beispiel der verheirateten Managerin, die sich ein zeitweises Inselleben deshalb nicht vorstellen konnte, weil man nicht shoppen gehen kann. Nun verbringt das Paar mehrere Wochen im Jahr auf dem Eiland.
Oder der Elblotse, der häufig an einer Insel vorbeigefahren ist, und meinte: "Die will ich irgendwann mal haben." Er hat gespart und gespart, schließlich zugegriffen.
mm.de: In welcher Bandbreite bewegen sich denn die Preise und Inselgrößen?
Vladi: Das derzeit hochpreisigste Objekt, das ich im Angebot habe, kostet 45 Millionen Dollar. "James Island" hat einen eigenen Golfplatz, mehrere Seen, einen Flugplatz, liegt vor Vancouver und ist rund drei Millionen Quadratmeter groß. In solchen Preisregionen verkaufe ich allerdings kaum. Bislang war ein Zwölf-Millionen-Dollar-Objekt in der Karibik das teuerste, was ich vermittelt habe. Das günstigste, das ich jemals verkaufte habe, ist 500 Quadratmeter groß und kostete 1500 Kanadische Dollar. Darauf ist allerdings nur ein Hühnerschuppen. Derzeit ist mein günstigstes Angebot "Horse Lake Islands" (Kanada), 8000 Quadratmeter groß und kostet 25.600 Euro. Die meisten Inseln verkaufe ich in der Größenordnung von 200.000 bis 700.000 Quadratmeter.
mm.de: Sie sagten uns anfangs, dass Sie immer wieder gerne Ihre eigene Insel besuchen. Was machen Sie denn da als Erstes?
Vladi: Ich besuche zuerst meine Tiere - meine Mohairziegen und meine zwei Lamas. Eine der beiden heißt "Isabella", ihre Wolle ist allein 400 Dollar wert. Anschließend mache ich mit den Lamas erstmal einen Spaziergang. Genauer gesagt, mit einem. Mit beiden zusammen geht das nicht, die beschäftigten sich dann die ganze Zeit mit sich selber und man kommt nicht voran.
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