Mittwoch, 19. September 2018

Krise der Schwellenländer Wie Argentinien den Peso-Verfall stoppen will

Peso gegen Dollar: Rasante Abwertung der Landeswährung

In Argentinien plant die Regierung nach dem rasanten Verfall der Landeswährung Peso eine Reihe wirtschaftspolitischer Notmaßnahmen. Diese sollen am Montag vorgestellt werden, wie Finanzminister Nicolas Dujovne ankündigte. Demnach soll mit den Schritten das Haushaltsdefizit gesenkt werden, damit die Regierung weniger abhängig von den Kreditmärkten werde.

An den Märkten wuchs zuletzt die Furcht der Anleger vor Zahlungsschwierigkeiten des südamerikanischen Landes. Vor der Ankündigung des Ministers hatte bereits die Notenbank im Kampf gegen den Peso-Verfall eine kräftige Erhöhung des Leitzinses um 15 Punkte auf 60 Prozent beschlossen.

Dujovne will am Montagabend nach Washington reisen, um sich mit Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu treffen und über eine vorzeitige Auszahlung von milliardenschweren Finanzhilfen zu verhandeln. Die Bundesregierung äußerte am Freitag die Hoffnung auf eine Stabilisierung des wirtschaftlich angeschlagenen Landes, das derzeit die Präsidentschaft in der Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) innehat. "Wir gehen davon aus, dass der IWF und die argentinischen Behörden gemeinsam gute Lösungen finden werden", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

Peso hat seit Januar 55 Prozent abgewertet

Seit Jahresbeginn hat die argentinische Währung fast 55 Prozent an Wert verloren. Sie steht vor allem wegen der hohen Inflationsrate und einer schwachen Wirtschaftsentwicklung unter Druck. Nur zwei Jahre nach der Rückkehr in die Wachstumszone steuert Argentiniens Wirtschaft schon wieder auf eine Rezession zu. Investoren an den Finanzmärkten bezweifeln, dass Präsident Mauricio Macri der Spagat gelingt, die Konjunktur anzuschieben und gleichzeitig Ausgaben zu kürzen und die Inflation einzudämmen, die zuletzt bei über 30 Prozent lag.

"Sie haben ihre Dollar, wir haben unseren Gott"

Hintergrund für die Schwäche von Schwellenländer-Währungen ist auch die zunehmende Attraktivität des Dollar. Anleger ziehen ihre Gelder aus aufstrebenden Staaten ab und investieren lieber in US-Vermögenswerte, weil in den Vereinigten Staaten die Zinsen steigen und massiv Steuern gesenkt wurden.

Auch die Türkei leidet unter einem massiven Wertverlust der heimischen Währung. Finanzminister Berat Albayrak kündigte am Freitag weitere Schritte gegen den Lira-Verfall an und warf den internationalen Ratingagenturen vor, die Banken seines Landes schlechtzureden. Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "Wirtschaftskrieg" des Westens gegen die Türkei. "Wenn sie ihre Dollar haben, haben wir unseren Gott", sagte er vor Journalisten. "Sie können die Türkei nicht mit Dollar ins Wanken bringen." Hintergrund der Krise hier ist auch ein Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei. Die USA haben deswegen Sanktionen verhängt.

Von einer Währungsschwäche ist auch Indonesien betroffen. Nach Zinserhöhungen in der Vergangenheit intervenierte die Notenbank des asiatischen Landes am Freitag massiv am Devisen- und Anleihenmarkt, wie aus dem Umfeld der Währungshüter verlautete.

la/reuters

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