Montag, 11. Dezember 2017

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Mode mit reinem Gewissen Wie man vegane Kleidung erkennt

Mode mit reinem Gewissen: Vegane Kleidung erkennen
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TMN/bleed clothing

Was bei der Ernährung für viele längst dazugehört, kommt nun langsam auch in der Mode an: der Wunsch, möglichst umwelt- und tierfreundlich zu konsumieren. Vegane Mode ist eine Möglichkeit. Aber Verbraucher müssen auf die Details bei der Auswahl achten.

Berlin - Millionen Bundesbürger kaufen regelmäßig ein Paar Schuhe aus Leder. Dass dafür ein Tier gestorben ist, ist nur wenigen bewusst. "Bei Leder denkt man, es sei ein Abfallprodukt. Das ist aber ein Irrtum", sagt Christian Vagedes, Vorsitzender der Veganen Gesellschaft Deutschland. Denn ein großer Teil der Rinder werde für das Leder getötet, nicht für das Fleisch. Aber: Berichte über gequälte Tiere veranlassten immer mehr Menschen, umzudenken und kritischer zu sein - auch bei der Mode.

"Wenn man die Hintergründe kennt, dann möchte man Alternativen haben", sagt Vagedes. "Deshalb suchen immer mehr Menschen nicht nur nach veganen Nahrungsmitteln, sondern auch nach veganen Kleidungsstücken." Denn bei der Kleidung lässt sich ebenso auf tierische Bestandteile verzichten wie beim Essen. "Vegane Mode definiert sich dadurch, dass die Stoffe und Materialien, die verwendet werden, nicht tierischen Ursprungs sind", erklärt Stephanie Stragies vom Vegetarierbund Deutschland. In Betracht kommen zum Beispiel Baumwolle, Leinen oder Hanf sowie synthetische Stoffe. Auf Pelz, Wolle oder Seide werde verzichtet.

In Hollywood ist der Trend schon lange angekommen. Stars wie die Schauspieler Natalie Portman und Tobey Maguire tragen vegane Schuhe, auch Baywatch-Star Pamela Anderson verzichtet auf Tierhäute. In Deutschland leben laut einer YouGov-Studie mittlerweile rund 900.000 Menschen vegan. Und die brauchen etwas zum Anziehen.

"Verbraucher finden heute schon viel vegane Mode in den Geschäften, es steht nur nicht explizit drauf", erläutert Frank Schmid von der Tierschutzorganisation Peta. Der Verein setzt sich mit teilweise drastischen Aktionen für den Tierschutz ein. "Viele Firmen verwenden bei Schuhen Kunstleder oder andere Stoffe wie Leinen oder Baumwolle."

Daunen und Perlmutknöpfe sind tabu

Es gibt aber ein paar Stolperfallen, auf die man beim Einkauf von veganer Mode achten sollte. "Manchmal sieht ein Produkt vegan aus, man muss dann aber genauer hingucken", erklärt die Expertin Stragies. Denn Daunen in der Winterjacke, Perlmuttknöpfe an der Bluse oder Hornknöpfe am Jackett seien bei tierfreier Kleidung natürlich tabu. "Ein Klassiker ist auch ein Lederpatch an der Jeans - das ist etwas, das viele Menschen nicht entdecken", sagt Schmid.

Doch manchmal reicht ein akribisches Absuchen der Kleidung nicht aus. Die tierischen Materialien verstecken sich auch an unerwarteten Stellen. "Viele Menschen wissen nicht, dass auch in Nebenmaterialien tierische Inhaltsstoffe verarbeitet werden können, etwa im Klebstoff", sagt Vagedes. Im Kleber für Schuhe oder Herrenjackets könnten Knochenreste und Tierhäute stecken.

Ein Siegel könnte die Auswahl erleichtern. Aber: "Es gibt noch kein einheitliches Label, das vegane Mode auszeichnet", sagt Stragies. Zwar wolle Peta mit dem Peta-Approved-Vegan-Logo für Klarheit sorgen, und auch die Vegane Gesellschaft vergibt ihr vegan-Logo nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Kleidung. Doch diese Kennzeichnungen finden sich bisher nur in wenigen Jacken, Hosen oder Schuhen.

Dabei gibt es immer mehr Hersteller, die sich veganer Mode verschrieben haben, etwa die Label Umasan und Bleed Clothing. Wer sich vegan einkleiden möchte, wird auch in Onlineshops wie Dear Goods, Muso Koroni oder avesu fündig. In vielen Großstädten gibt es mittlerweile Geschäfte, die ausschließlich vegane Mode führen.

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