Mittwoch, 24. August 2016

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Studie: Wie Kleidung die Weltwahrnehmung beeinflusst Warum ein Anzug Sie schlauer macht

Dresscode: So halten es Dax-Unternehmen
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Corbis

Eine neue Studie aus den USA belegt: Männer in Anzügen treffen die klügsten Entscheidungen. Das deckt sich überraschend passgenau mit dem, was Männer in Anzügen schon immer über sich selbst und ihresgleichen gedacht haben.

Es deckt sich allerdings weniger mit dem, was Männer wie Facebook-Gründer Mark "Hoodie" Zuckerberg und Apple-Legende Steve "Rollkragenpulli" Jobs nicht nur ihrer Branche beigebracht haben: Nämlich, dass es mehr auf den Inhalt des Kopfes als auf das Tuch um den Rumpf ankommt. Was stimmt also?

Der Studie ist wahrscheinlich zu trauen, denn sie kommt ausgerechnet aus dem anzüg-licher Umtriebe unverdächtigen, lässigen Kalifornien. Forscher der California State University in Northridge haben die Wechselwirkung von Kleidung und Denken untersucht. Ihr Ergebnis: Ja, Kleider machen Leute. Und zwar haben erstere eine durchaus messbare Auswirkung auf die Weltwahrnehmung von letzteren. Außerdem betrifft der Effekt nicht nur Männer, sondern natürlich auch Frauen - ein smartes Kostüm wirkt wie ein Anzug, Hauptsache formell.

Je formeller gekleidet, desto abstrakter das Denken

Das erste Experiment: Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten bewerten, wie formell sie angezogen waren, und machten dann Tests, um zu überprüfen, auf welche Weise sie Informationen verarbeiteten. Da das Ganze im kalifornischen Uni-Kontext stattfand, erschienen die meisten Probanden allerdings recht leger gekleidet.

Das zweite Experiment lief exakt genau so ab, nur dass die Teilnehmer diesmal angewiesen wurden, in formeller Kleidung zu erscheinen. Das Ergebnis: Je formeller sich die Leute anzogen, desto besser konnten sie abstrakte Prozesse erfassen. Sie beschäftigten sich mehr mit der Gesamtlage und verzettelten sich weniger in Detailfragen. Sie dachten eher abstrakt und weniger konkret, mehr Vogel-, weniger Froschperspektive. Die Fähigkeit zu abstraktem Denken aber gilt als Schlüsselattribut des erfolgreichen Geschäftsmenschen - und vor allem in Finanzfragen als entscheidend, wenn man kühlen Kopfes langfristige Investitionen auf den Weg bringen sollte statt Impulsen nachzugeben.

"Formelle Kleidung bewirkt, dass wir uns mächtig fühlen, und das verändert unsere grundsätzliche Sicht auf die Welt", zitiert die Zeitschrift "The Atlantic" einen der Studienautoren, Abraham Rutchick.

Ko-Autor Michael Slepian ergänzt, dass das Anzug-Prinzip unabhängig von den sonstigen Kleidungsgewohnheiten funktioniert: "Egal wie oft man formelle Kleidung trägt, wenn man sie trägt, ist das meist nicht der intime, gemütliche und sozial nähere Kontext ohne Dresscode." Und der Kontext bestimmt das Denken, kann man hier ergänzen.

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Ob man nun jeden Tag formelle Kleidung anziehe oder nur "zu jeder Hochzeit", sei deshalb zweitrangig - es geht um das Gefühl, dass die Kleidung dem Träger vermittelt. Der Anzug-Effekt könne sich, vermutet Slepian, in Zukunft eher noch verstärken: Gerade weil der Dresscode in Unternehmen eher lässiger werde, könne Kleidung, die nur in formalen Situationen getragen werde, ihre Auswirkungen eher noch verstärken.

Ein besonders wichtiger Effekt war dabei: Kritik (auch das entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung) perlt an Männern in Anzügen besonders gut ab, während sie legerer gekleidete Leute eher an ihrem Selbstwert zweifeln lassen kann - weil die Perspektive eine persönlichere, weniger abstrakte ist.

Männer, die wie Mark Zuckerberg nur zur Hochzeit oder zu Gesprächen mit ihrem Präsidenten einen Anzug anlegen, haben allerdings auch gute Gründe dafür. Er habe mal gelesen, dass jede Entscheidung, egal wie trivial sie sei, den Menschen anstrenge, gab der Facebook-Gründer einmal zu bedenken. Das könnten Entscheidungen über das Frühstück oder eben auch darüber sein, was man anziehe. "Das kann ermüdend sein und deine Energie aussaugen", sagte der 30-Jährige. Er wolle sich einfach davon frei machen, im Leben viele Entscheidungen treffen zu müssen. "Ich möchte mich nur darauf konzentrieren, der Gemeinschaft zu dienen", sagte er als Begründung auf die Frage, warum er immer ein graues T-Shirt trage.

Aber wer weiß, vielleicht zieht Mark Zuckerberg ja, wenn keiner guckt, heimlich einen Anzug an, bevor er wichtige Entscheidungen trifft.

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