Samstag, 15. Dezember 2018

Stilguide für Jeans Warum jetzt alle blau machen

Stilguide für Jeans: Alles auf edel
Monica Feudi

Mode paradox: Jeans werden salonfahig - und Anzüge freizeittauglich. Und alles glänzt. Der Winter kann kommen.

Gefunden in
Splendid
November 2016

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Alle machen Blau. Zegna, eigentlich eher bekannt für feinste Anzüge, zeigt in diesem Herbst eine Kollektion aus Jeans (wenn auch, sie können es eben nicht lassen, gemischt mit Trofeo-Wolle), darunter ein dreiteiliger Anzug. "Ein Statement zeitgemäßer Eleganz, unangestrengter Coolness, der den Stil des modernen Mannes neu definiert", heißt es dazu. Von einem "Hybrid" ist die Rede, der "lässig und formell" sei.

Kim Jones, Männermodedesigner bei Louis Vuitton, geht noch weiter; er hält Denim für den "Schlüssel zu jeder Garderobe". Jones sammelt seit seinem 16. Lebensjahr alte japanische Jeans. Seine eigene Denimlinie soll dem "zeitgemäßen Kleidungsstil" entsprechen. Jeans ab 390 Euro in drei Schnitten und Waschungen (weiß, indigo, grau) mit handgesticktem Monogramm-Logo. Dazu eine fünfteilige limitierte Heritage Collection, inspiriert von alten Gepäckstücken des Hauses und mit rosegoldenen Nieten oder Krokodilleder- Applikationen veredelt - stonewashed und handbesprüht mit Goldschimmer. Für 1700 Euro.

Und selbst Karl Lagerfeld - prinzipiell kein Freund des Casual Dresscodes - zeigt Jeanslooks in der Haute Couture bei Chanel: "Du kannst der schickste Mensch der Welt sein in einem T-Shirt und einer Jeans." Ganz neue Töne.

Jeans wird schick. Seit Jahren holen Designer Denim von der Straße auf den Laufsteg, zuerst nur für die Frauen, die ja mit allem immer etwas eher dran sind, nun auch für die Herren. Keine Männerkollektion von Armani über Fendi bis Prada mehr ohne edle Denimlooks. Jeans ist in der formellen Garderobe angekommen.

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Kein anderer Stoff hat eine derart steile Karriere hingelegt. Von der Arbeiterkluft zur Universal- ja, sogar Abendkleidung. Der Luxusonlinehändler matchesfashion.com führt mittlerweile 51 Marken in seinem Denimstudio, nur zwölf davon sind klassische Jeanslabels.

Die Casualisierung der Mode ist längst kein Trend mehr, sondern eine Bewegung. Das Schweizer Luxuslabel Bally propagiert Turnschuhe zum Smoking, Bottega Veneta interpretiert Arbeiterkleidung neu, alles wird lässig. Selbst Anzüge: Sämtliche Modemacher setzen mittlerweile auf elastische, reisefreundliche Modelle. Und stellen das gern zur Schau: Paul Smith präsentierte seinen "Travel Suit" an Models auf BMX-Rädern und seinen "Travel Coat" an Akrobaten (siehe Seite 30). Tommy Hilfiger demonstriert die Strapazierbarkeit seiner "THFLEX"- Linie an Tennisprofi Rafael Nadal, Monocle bringt eine "Voyage"-Linie heraus, Digel eine namens "Move".

Wer doch mal Eleganz will und weniger Lässigkeit, wird ebenfalls fündig. Es gibt Samt, Pailletten und glänzende Stoffe. Damit können Männer "glamourös sein, und trotzdem nicht overdressed", sagt Pal-Zileri-Designer Mauro Ravizza Krieger. Genau das Richtige für die blaue Stunde.

Für alle, die doch lieber Anzug tragen, hier die Stiltipps vom Großmeister:

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