Lifestyle

24.01.2015  Rückblick auf die Berliner Fashion Week

Düster mit Aussicht auf Besserung

Von Anna-Lena Roth, Spiegel Online

Arm und nicht mal sexy: Es wäre leicht, sich über die Berliner Fashion Week zu mokieren. Doch die wichtigste deutsche Modemesse war selten mutiger - und selbstkritischer.

Berlin - Es ist einfach, die Fashion Week in Berlin schlechtzureden. Das war schon immer so, in diesem Jahr aber besonders einfach. Mit Lala Berlin und Michael Michalsky haben zwei der bekanntesten Labels auf eine große Laufstegschau verzichtet. Die Messe Bread & Butter meldete Insolvenz an.

Dafür stakste eine 14-Jährige über den Laufsteg, deren Model-Qualitäten in roten Haaren und - vor allem - einem prominenten Nachnamen bestanden. Anna Ermakova, Tochter einer damals unbekannten Frau und einem umso bekannteren Tennisspieler: Boris Becker. Die Kritik also ist einfach: Wenn eine Fashion Week es nötig hat, auf diese Weise um Aufmerksamkeit zu heischen, dann darf man sie nicht so ernst nehmen wie New York, London, Mailand. The Berlin Fashion Week: arm und nicht mal sexy. Einerseits.

Andererseits: Großer Trubel in der Stadt, vier Tage lang. Zahlreiche Messen, hundert Schauen und 200.000 Besucher. Und darf das Foto einer rothaarigen 14-Jährigen wirklich das Bild der - unbestritten - wichtigsten deutschen Modewoche bestimmen? Nein, dafür gab es zu viele andere Bilder, zu viele andere Eindrücke. Berlin mag nicht New York, London, Mailand sein, aber das muss es auch nicht. Die Qualität der Berliner Fashion Week ist eine andere.

Da waren junge Designer wie Bobby Kolade, die ihre vielversprechenden Entwürfe erstmals im Rahmen der Fashion Week präsentierten. Da waren Modewochen-Routiniers, die überraschten - so wie Lena Hoschek, die eine ungewohnt zurückgenommene, reifere Kollektion zeigte; oder wie Leyla Piedayesh, die kein großes Spektakel im Modezelt veranstaltete, sondern elegante Abendkleider in gemütlicher Dinner-Atmosphäre vorführen ließ.

Wir blicken zurück auf die Fashion Week: auf die Neuerungen, auf die Laufsteg-Trends, die prominenten Gäste und die aufsehenerregendsten Models.

Die Modewoche stehe an einem Scheideweg, sagte die deutsche "Vogue"-Chefin Christiane Arp. Es gehe in den Himmel oder in die Hölle. Um dem düsteren Szenario vorzubeugen, wurde das "German Fashion Design Council" gegründet, eine Lobby-Organisation für die Mode. Denn genau daran mangele es der Branche, so Arp - und nicht an gutem Design.

Zudem gab es erstmals den sogenannten Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais. Dort hatten Designer die Möglichkeit, ihre Kollektionen in einem besonderen Rahmen zu präsentieren: Augustin Teboul schickten beispielsweise ihre Models immer wieder die Treppen rauf und runter, dazu gab es die Entwürfe auf großartigen Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden zu sehen. Auch Hien Le, Michael Sontag, Iris von Arnim und Odeeh nahmen am Mode Salon teil, er soll regelmäßig stattfinden.

Ebenfalls neu war die Konferenz #Fashiontech Berlin, bei der es um die neuesten digitalen Entwicklungen und die Zukunft der Modebranche ging. Außerdem mischt jetzt Brandenburg im Mode-Business mit: An drei Tagen fand die "Potsdam Now" statt, zum Auftakt zeigten Designer aus Israel ihre neuen Kollektionen.

Bei hundert Schauen fiel es in dieser Saison nicht leicht, den einen zentralen Modetrend auszumachen. Viel eher schien das Motto zu gelten: alles geht, nichts muss. Auffällig häufig war jedoch Schwarz auf dem Laufsteg zu sehen, unter anderem bei Guido Maria Kretschmer, Sopopular, Irene Luft oder Vektor; und zwar gerne in der Kombination mit Leder. Gleichzeitig fielen bei den Männerentwürfen knallige Farben auf - und der Trend zu relativ kurzen Hosenbeinen in Verbindung mit auffälligen Socken hielt an. Bei Ivanman wurde beides besonders deutlich.

Wenn es unter anderem nach Isabell de Hillerin und Perret Schaad geht, werden wir auch im kommenden Herbst und Winter wieder auf Modelle im Oversized-Look zurückgreifen. Bei Riani und Marc Cain trugen die Models Mantelcapes. Und Hien Le und Bobby Kolade ließen sich für ihre Kollektionen vom Blaumann inspirieren.

Wer sitzt wo in der Front Row? Die Antwort auf diese Frage sagt auch etwas über die Bekanntheit, über das Image und über die finanziellen Möglichkeiten eines Labels aus. Die bekanntesten Gäste dieser Fashion Week waren sicher Liz Hurley und Katie Holmes, beide waren von Marc Cain eingeladen worden. Bettina Wulff schaute bei Minx und Maybelline vorbei, Renate Künast auf der Fachmesse Greenshowroom. Und die Schauspielerinnen Anna Maria Mühe, Heike Makatsch, Christiane Paul, Fritzi Haberlandt und Katharina Schüttler waren gleich bei mehreren Schauen vorne mit dabei. Aber sehen Sie selbst:

Für den PR-Coup der Saison müssen sich die Verantwortlichen bei Riani auf die Schulter klopfen: Sie engagierten die 14-jährige Tochter von Boris Becker für ihre Modenschau. Anna Ermakova durfte sie eröffnen, beenden und auch zwischendurch einmal über den Laufsteg schreiten. Die deutschen Top-Models Franziska Knuppe, Franziska Müller und Antonia Wesseloh präsentierten für mehrere Labels die neuen Kollektionen. Auch zahlreiche Ex-Teilnehmerinnen von "Germany's Next Topmodel" waren bei der Fashion Week dabei - darunter Rebecca Mir, Lena Gercke und Luisa Hartema. Das deutsch-französische Designer-Duo Augustin Teboul engagierte eins der ältesten Models der Fashion Week. Hier der Überblick in Bildern:

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