24.01.2015

Rückblick auf die Berliner Fashion Week

Düster mit Aussicht auf Besserung

Von Anna-Lena Roth, Spiegel Online

Arm und nicht mal sexy: Es wäre leicht, sich über die Berliner Fashion Week zu mokieren. Doch die wichtigste deutsche Modemesse war selten mutiger - und selbstkritischer.

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Dorothee Schumacher: Die Modeschöpferin setzt in Berlin auf ...

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... starke Muster und ...

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flauschige glänzende Stoffe. Manchmal auch ...

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... in kräftigen Farben.

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Der Auftritt: Dorothee Schumacher stellte in Berlin ihre Kollektionen für den Herbst/Winter 15/16 vor.

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Prominentenleben: Ihr Auftritt war umstritten, aber dennoch nicht ungewöhnlich: Anna Ermakova, Tochter von Ex-Tennis-Star Boris Becker. Die 14-Jährige trat für das Label Riani an.

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Tochterleben: Auch Tali Lennox, die Tochter von Sängerin Annie Lennox, war in Berlin zu sehen. Jedoch arbeitet die 21-Jährige schon seit einiger Zeit als Model. Dieses Mal präsentierte sie Mode von Marc Cain.

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Das Label Zukker zeigte erstmals im Rahmen der Fashion Week seine aktuelle Kollektion für Herbst/Winter 2015. Dunkle Farbtöne wurden ...

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... von leuchtendem Gelb durchbrochen und ...

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... zum Teil gut gepolstert.

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Glamour: Nicht nur Rennfahrer Nico Rosberg und das Model Dree Hemingway wurden in Berlin gesichtet, ...

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... auch Bettina Wulff ...

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... und Schauspielerin Aylin Tezel.

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Rike Feurstein: Eigentlich kreierte Feurstein Hüte und dazu die passenden Outfits. ...

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... In Berlin fiel sie besonders mit den stylischen ...

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... Hundehalsbändern auf. Die Hudne schickte sie mit ihren Models und ...

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... ihrer neuen Kollektion für den Herbst und Winter ...

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... auf den Laufsteg. Auffällig bunte ...

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... und kleinteilige Muster ...

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... bestimmen die Show.

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Auf Brautschau: Kaviar Gauche präsentiert wohl das, ...

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... aus dem Träume sind: Hochzeitskleider. Sie ...

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... zählen zu den beliebstesten des Landes.

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Hinter dem Label stecken die beiden Desigern Alexandra Fischer-Roehler hat Johanna Kühl

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Berlin - Es ist einfach, die Fashion Week in Berlin schlechtzureden. Das war schon immer so, in diesem Jahr aber besonders einfach. Mit Lala Berlin und Michael Michalsky haben zwei der bekanntesten Labels auf eine große Laufstegschau verzichtet. Die Messe Bread & Butter meldete Insolvenz an.

Dafür stakste eine 14-Jährige über den Laufsteg, deren Model-Qualitäten in roten Haaren und - vor allem - einem prominenten Nachnamen bestanden. Anna Ermakova, Tochter einer damals unbekannten Frau und einem umso bekannteren Tennisspieler: Boris Becker. Die Kritik also ist einfach: Wenn eine Fashion Week es nötig hat, auf diese Weise um Aufmerksamkeit zu heischen, dann darf man sie nicht so ernst nehmen wie New York, London, Mailand. The Berlin Fashion Week: arm und nicht mal sexy. Einerseits.

Andererseits: Großer Trubel in der Stadt, vier Tage lang. Zahlreiche Messen, hundert Schauen und 200.000 Besucher. Und darf das Foto einer rothaarigen 14-Jährigen wirklich das Bild der - unbestritten - wichtigsten deutschen Modewoche bestimmen? Nein, dafür gab es zu viele andere Bilder, zu viele andere Eindrücke. Berlin mag nicht New York, London, Mailand sein, aber das muss es auch nicht. Die Qualität der Berliner Fashion Week ist eine andere.

Da waren junge Designer wie Bobby Kolade, die ihre vielversprechenden Entwürfe erstmals im Rahmen der Fashion Week präsentierten. Da waren Modewochen-Routiniers, die überraschten - so wie Lena Hoschek, die eine ungewohnt zurückgenommene, reifere Kollektion zeigte; oder wie Leyla Piedayesh, die kein großes Spektakel im Modezelt veranstaltete, sondern elegante Abendkleider in gemütlicher Dinner-Atmosphäre vorführen ließ.

Wir blicken zurück auf die Fashion Week: auf die Neuerungen, auf die Laufsteg-Trends, die prominenten Gäste und die aufsehenerregendsten Models.

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Die Nachwuchsförderung war in dieser Saison ein großes Thema auf der Fashion Week in Berlin. Zum ersten Mal gab es beispielsweise den Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais, eine Plattform für unterschiedlichste Designer, darunter Neueinsteiger und Erfahrene. Hier sind Entwürfe von Michael Sontag zu sehen.

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Auch Augustin Teboul präsentierten ihre Herbst- und Winterkollektion 2015 im Kronprinzenpalais. Unter dem Motto "Sounds of Black" gab es einerseits Models zu sehen, die auf den Treppenstufen auf und ab gingen. Andererseits hingen in den Räumlichkeiten Fotografien aus, auf denen die teils bekannten Modelle die Entwürfe des Designer-Duos tragen.

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Lala Berlin verzichtete in dieser Saison auf eine große Laufsteg-Schau. Stattdessen zeigte sie ihre Entwürfe unter anderem im Berliner Mode Salon.

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Auch Potsdam hat jetzt seine Modenschauen: Parallel zur Berliner Fashion Week fand an drei Tagen "Potsdam Now" statt. Hier ist Designerin Julia Starp (l.) zu sehen.

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Designer Bobby Kolade wurde 2013 mit dem Förderpreis des Berliner Senats ausgezeichnet. Erst präsentierte er seine Entwürfe in der Halle am Berghain vor Publikum. Einen Tag später stellte er sie im "Vogue"-Salon im Berliner Hotel De Rome aus. Hier geht's zurück zum Artikel.

Die Modewoche stehe an einem Scheideweg, sagte die deutsche "Vogue"-Chefin Christiane Arp. Es gehe in den Himmel oder in die Hölle. Um dem düsteren Szenario vorzubeugen, wurde das "German Fashion Design Council" gegründet, eine Lobby-Organisation für die Mode. Denn genau daran mangele es der Branche, so Arp - und nicht an gutem Design.

Zudem gab es erstmals den sogenannten Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais. Dort hatten Designer die Möglichkeit, ihre Kollektionen in einem besonderen Rahmen zu präsentieren: Augustin Teboul schickten beispielsweise ihre Models immer wieder die Treppen rauf und runter, dazu gab es die Entwürfe auf großartigen Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden zu sehen. Auch Hien Le, Michael Sontag, Iris von Arnim und Odeeh nahmen am Mode Salon teil, er soll regelmäßig stattfinden.

Ebenfalls neu war die Konferenz #Fashiontech Berlin, bei der es um die neuesten digitalen Entwicklungen und die Zukunft der Modebranche ging. Außerdem mischt jetzt Brandenburg im Mode-Business mit: An drei Tagen fand die "Potsdam Now" statt, zum Auftakt zeigten Designer aus Israel ihre neuen Kollektionen.

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Isabell de Hillerin zeigte am Donnerstagmorgen ihre neue Kollektion im Modezelt am Brandenburger Tor - und auch hier waren wie schon in den vergangenen Tagen zahlreiche Entwürfe in Schwarz und im Oversize-Look zu sehen.

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Auch Kilian Kerner schickte seine Models in schwarzen Entwürfen auf den Laufsteg, genauso wie...

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...sein Kollege Guido Maria Kretschmer. Der Designer und Moderator präsentierte am Mittwochabend seine Herbst- und Winterkollektion 2015.

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Dunkle Stoffe, gepaart mit Fell - auch dieser Entwurf stammt von Guido Maria Kretschmer.

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Dieses Mantelcape stammt aus der Kollektion von Marc Cain: Von hinten sieht es aus wie ein Umhang, vorne erinnert es mehr an eine Jacke.

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Ein Cape im Oversize-Look präsentierte Perret Schaad im Berliner Kronprinzenpalais.

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Beim Männerlabel Sopopular ging es am ersten Tag der Fashion Week sehr düster zu. Sowohl was die Farben der Entwürfe betrifft als auch die Gesichtsbemalung.

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Ivanman beweist, dass Herren auch Farbe tragen können - und zwar knallige. Die Entwürfe des Labels waren in einem Nebenraum im Modezelt am Brandenburger Tor zu sehen. Neben den Farben wird hier deutlich, dass der Trend bei Männern zu kürzeren Hosenbeinen geht. Immerhin kommen so die bunten Socken zur Geltung.

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Auch Kilian Kerner entwarf farbenfrohe Männeroutfits. Einen ähnlichen Blauton gab es...

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...bei Hien Le zu sehen. Den Pinselstrich-Print hat der Designer entwickelt. Für seine Kollektion ließ er sich auch vom Blaumann inspirieren. Das hat er mit einem Kollegen gemeinsam.

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Auch Bobby Kolade ließ sich für einige seiner Outfits vom Blaumann inspirieren. Im Hof seines Ateliers ist ein Baumarkt - und von den Menschen, die dort einkaufen, hat er sich beeinflussen lassen. Hier geht's zurück zum Artikel.

Bei hundert Schauen fiel es in dieser Saison nicht leicht, den einen zentralen Modetrend auszumachen. Viel eher schien das Motto zu gelten: alles geht, nichts muss. Auffällig häufig war jedoch Schwarz auf dem Laufsteg zu sehen, unter anderem bei Guido Maria Kretschmer, Sopopular, Irene Luft oder Vektor; und zwar gerne in der Kombination mit Leder. Gleichzeitig fielen bei den Männerentwürfen knallige Farben auf - und der Trend zu relativ kurzen Hosenbeinen in Verbindung mit auffälligen Socken hielt an. Bei Ivanman wurde beides besonders deutlich.

Wenn es unter anderem nach Isabell de Hillerin und Perret Schaad geht, werden wir auch im kommenden Herbst und Winter wieder auf Modelle im Oversized-Look zurückgreifen. Bei Riani und Marc Cain trugen die Models Mantelcapes. Und Hien Le und Bobby Kolade ließen sich für ihre Kollektionen vom Blaumann inspirieren.

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Sie waren die internationalen Prominenten auf der Berliner Fashion Week: Marc Cain ließ für seine Modenschau Liz Hurley (mit Sonnenbrille) und Katie Holmes (mit Hut) einfliegen. Links neben Hurley saß Moderatorin Frauke Ludowig, rechts neben Holmes nahmen Sylvie Meis und Bettina Zimmermann Platz.

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Die neuesten Entwürfe des Labels Kaviar Gauche wollten unter anderem Eva Padberg, Cleo von Adelsheim und Shermine Shahrivar sehen. Hier klatschen Oskar Roehler (Ehemann von Designerin Alexandra Fischer-Roehler), Heike Makatsch (langjähriger Fan und Aushängeschild von Kaviar Gauche) sowie Schauspielerin Lavinia Wilson.

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Diese Damen traf man während der Fashion Week in mehreren Front Rows an, dieses Foto entstand bei der Modenschau von Capara. Es sind zu sehen: Kostümbildnerin Aino Laberenz und die Schauspielerinnen Fritzi Haberlandt, Katharina Schüttler und Lavinia Wilson.

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Zusammenrücken für die Fotografen. Diese Damen wollten sich die neue Kollektion von Laurél ansehen: Jana Pallaske, Franziska Knuppe, Judith Rakers sowie Anja und Gerit Kling.

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Kilian Kerner ist einer der Designer, der sich besonders häufig mit Prominenten umgibt. Hier sitzen die Models Eva Padberg und Franziska Knuppe neben den Schauspielerinnen Anna Maria Mühe und Jella Haase.

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Mit farblich aufeinander abgestimmten Outfits kamen diese drei Damen zur Show "Minx by Eva Lutz": Xenia Seeberg, Tina Ruland und Regina Halmich.

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Die ehemalige Bundespräsidenten-Gattin Bettina Wulff sah sich während der Fashion Week die Präsentationen von Maybelline und Minx an - dort entstand dieses Bild.

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Grünen-Politikerin Renate Künast fotografierte während einer Modepräsentation auf der Fachmesse Greenshowroom: Dort wurde nachhaltiges Design aus den Bereichen High Fashion und Accessoires vorgestellt. Hier geht's zurück zum Artikel.

Wer sitzt wo in der Front Row? Die Antwort auf diese Frage sagt auch etwas über die Bekanntheit, über das Image und über die finanziellen Möglichkeiten eines Labels aus. Die bekanntesten Gäste dieser Fashion Week waren sicher Liz Hurley und Katie Holmes, beide waren von Marc Cain eingeladen worden. Bettina Wulff schaute bei Minx und Maybelline vorbei, Renate Künast auf der Fachmesse Greenshowroom. Und die Schauspielerinnen Anna Maria Mühe, Heike Makatsch, Christiane Paul, Fritzi Haberlandt und Katharina Schüttler waren gleich bei mehreren Schauen vorne mit dabei. Aber sehen Sie selbst:

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Sie war nicht das beste, aber eindeutig eins der bekanntesten Models während der Berliner Fashion Week: Anna Ermakova, die inzwischen 14-jährige Tochter von Tennis-Ikone Boris Becker. Sie durfte die Schau von Riani eröffnen - gemeinsam mit einem Pudel auf Stelzen. Auch in der Mitte und ganz am Ende der Präsentation trat Ermakova noch einmal auf den Laufsteg.

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Auf den Berliner Laufstegen waren zahlreiche ehemalige Teilnehmerinnen der Castingshow "Germany's Next Topmodel" (GNTM) zu sehen. Rebecca Mir lief zum Beispiel für die Label Minx by Eva Lutz (hier im Bild), Riani, Anja Gockel, Lena Hoschek, Laurél und Dimitri.

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Lena Gercke, Gewinnerin der ersten "GNTM"-Staffel, war während der Make-up-Show von Maybelline auf dem Laufsteg zu sehen. Im Publikum saß auch ihr Freund, Fußballer Sami Khedira.

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Luisa Hartema gewann 2012 die "GNTM"-Staffel. In Berlin wurde sie von Riani, Kaviar Gauche und Minx by Eva Lutz engagiert - dort entstand auch diese Aufnahme.

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Und noch eine "GNTM"-Gewinnerin: Hier zeigt Stefanie Giesinger einen Look aus der neuen Riani-Kollektion.

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Franziska Knuppe hat es ohne Castingshow geschafft, sie gilt als eins der wenigen echten deutschen Top-Models. Hier ist sie auf dem Laufsteg von Lena Hoschek zu sehen, Knuppe präsentierte außerdem Outfits von Riani und Minx by Eva Lutz.

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Apropos echte Top-Models: Die Deutsche Franziska Müller ist für ihre hohen Wangenknochen bekannt und international erfolgreich. Sie hat unter anderem für Calvin Klein, Louis Vuitton, Dior und Chanel gearbeitet. Hier ist sie auf dem Laufsteg von Minx by Eva Lutz zu sehen.

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Auch Antonia Wesseloh zählt zu den deutschen Models, die es international geschafft haben. In Berlin lief sie unter anderem für Marc Cain, zu ihren bisherigen Auftraggebern gehören unter anderem Marc Jacobs, Prada, Balenciaga, Chanel und Valentino.

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Augustin Teboul präsentierte die neue Kollektion nicht während einer klassischen Laufsteg-Modenschau. Stattdessen liefen die Models immer wieder die Treppen im Berliner Kronprinzenpalais rauf und runter - so auch Jutta von Brunkau. Hier geht's zurück zum Artikel.

Für den PR-Coup der Saison müssen sich die Verantwortlichen bei Riani auf die Schulter klopfen: Sie engagierten die 14-jährige Tochter von Boris Becker für ihre Modenschau. Anna Ermakova durfte sie eröffnen, beenden und auch zwischendurch einmal über den Laufsteg schreiten. Die deutschen Top-Models Franziska Knuppe, Franziska Müller und Antonia Wesseloh präsentierten für mehrere Labels die neuen Kollektionen. Auch zahlreiche Ex-Teilnehmerinnen von "Germany's Next Topmodel" waren bei der Fashion Week dabei - darunter Rebecca Mir, Lena Gercke und Luisa Hartema. Das deutsch-französische Designer-Duo Augustin Teboul engagierte eins der ältesten Models der Fashion Week. Hier der Überblick in Bildern:

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