Donnerstag, 25. August 2016

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Designer von Michelle Obama, Rihanna & Co. Modedesigner Azzedine Alaïa spürt Düften nach

Modedesigner Azzedine Alaïa: Der rätselhafte Mann im Mao-Anzug
Fotos
AFP

In den 80er Jahren galt Azzedine Alaïa als Kultdesigner und Meister der perfekten Silhouette. Nun bringt der Frauenversteher seinen ersten Duft heraus.

Das Mauerwerk bröckelt, die Leitungen liegen über Putz, und die Holztür könnte einen neuen Anstrich vertragen. Wäre da nicht das polierte, goldene Messingschild mit Klingelknopf und Sprechanlage, gäbe es keinen Grund, in dieser Ecke des Pariser Viertels Marais nur eine Minute länger zu verweilen. Doch hinter dem renovierungsbedürftigen Eingang versteckt sich der Hauptsitz von Azzedine Alaïa, Kultdesigner der 80er Jahre und Meister der perfekten Silhouette, der seit knapp einem Jahrzehnt ein fulminantes Revival erlebt.

Rund 300 Gäste drängen sich vor dem ehemaligen Schraubenlager, das als Atelier, Showroom und Boutique dient, um die Präsentation des ersten Parfüms des Altmeisters zu feiern. Man munkelt, Alaïa sei zwischen 1938 und 1940 geboren. Sein genaues Alter bleibt ein Geheimnis und der Hausherr selbst an diesem Abend zunächst unsichtbar.

Nach zwei Stunden Stehempfang im etwas heruntergekommenen Hof dürfen die Gäste in die aufs Feinste aus Stahl konstruierte Halle, die sonst für private Modeschauen dient. Für das Candle-Light-Dinner wurde sie aufwendig umdekoriert. Als die Vorspeise serviert wird, mischt sich der Gastgeber diskret unter die Gäste. Azzedine Alaïa versteckt sich gerne, am liebsten hinter seinen Kreationen.

Die Kleider des Couturiers wirken wie eine Droge: Wer einmal eines seiner Wunderwerke aus 40 und mehr Einzelteilen übergestreift hat, weiß, was ein perfekter Schnitt am Körper bewirken kann - und will mehr.

Greta Garbo und Grace Jones wurden seine Musen

Greta Garbo war eine der Ersten, die der Magie des nur rund 1,50 Meter kleinen, immer in einen schwarzen Mao-Anzug gewandeten Mannes verfallen sind. Grace Jones wurde seine Muse, die perfekte Trägerin seiner skulpturalen Schöpfungen. Topmodels wie Stephanie Seymour, Linda Evangelista oder Naomi Campbell liefen gratis für ihn, nur um mit einer Kreation entlohnt zu werden.

Michelle Obama trägt seine Kleider heute gerne zu offiziellen Anlässen. Rihanna und Tina Turner als treue Stammkundinnen sind der beste Beweis, dass seine Mode keine Altersgrenzen kennt.

Gefunden in
Splendid
Oktober 2015

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"Die Kleider, die ich entwerfe, sollen Frauen glücklich und verführerischer machen. Manche haben dank mir sogar einen Ehemann gefunden", erklärte Alaïa einmal. Er ist ein Workaholic, werkelt bis um vier Uhr morgens an einem Modell herum. Herrenmode gibt es nicht, Damenhosen nur sehr selten. Azzedine Alaïa hat sich ganz der Weiblichkeit und der Verschönerung femininer Formen verschrieben. Unter seinen Händen bekommt unförmiger Strick Halt, wird aus zartem Chiffon ein Stoff mit Gewicht, aus hartem Leder butterweiche Spitze und aus einer normalen Figur die perfekte.

Er ist ein Fashion-Alchimist, ein Frauenversteher, aber auch ein "Resistant", ein Widerstandskämpfer, wie es Olivier Saillard, Paris' berühmtester Modehistoriker und anerkannter Alaïa-Experte, ausdrückt: Der gebürtige Tunesier folgt keinen Trends, seine Läden haben keine Schaufenster, er schaltet keine Werbung. Die Preise seiner Kleider, Taschen und Schuhe werden nie reduziert. Kein Stück unter 1000 Euro! Er weigert sich, der Pariser Modekammer beizutreten, und erteilte schon dreimal französischen Präsidenten eine Abfuhr, als die ihm den Orden der Ehrenlegion verleihen wollten. "Die französische Staatsangehörigkeit erhalten zu haben ist Ehre genug", so seine Begründung.

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