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19.02.2013
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Highheels-Ausstellung in New York
Alles auf Absatz

Von Maren Hoffmann

Highheels: Ganz hoch hinaus
Fotos
The Museum at FIT

Highheels sind so zierlich wie grausam. Pop-Ikone Lady Gaga stöckelte sich auf Mega-Absätzen bis zur Hüft-OP, Carrie Bradshaw aus "Sex and the City" wollte bei einem Überfall alles hergeben - nur nicht ihre Absatzschuhe. Eine Ausstellung in New York zeigt die abgefahrensten Entwürfe.

Hamburg - Er könne alles von ihr haben, ihr Geld, ihren Schmuck - nur nicht ihre Manolo Blahniks, flehte Carrie Bradshaw in der amerikanischen Serie "Sex and the City" einen Gangster an, der sie auf der Straße überfallen hatte. Die irrwitzig hohen und fragilen Fußbekleidungen des Designers sind Statusobjekte, genau wie die rot besohlten Treter von Christian Louboutin oder die feinen Kreationen des malaiischen Schuhmachersohns Jimmy Choo.

Das New Yorker Fashion Institute of Technology widmet dem hochhackigen Schuhdesign des 21. Jahrhunderts eine Ausstellung (noch bis 13. April), bei deren Exponaten man schon vom Anschauen Fußschmerzen bekommt. Mehr als 150 Highheels der berühmtesten Fußmodemacher sind unter dem Titel "Shoe Obsession" zu sehen, fragile, zum Teil völlig absurde Gebilde aus Seide und Federn, mit Nieten und Edelsteinen besetzt, mit Revolverabsätzen oder gleich mit fußumschließender Vollverspiegelung.

Die unausgesprochene Frage all dieser grausam zierlichen Gebilde ist: Warum tun Frauen sich das an? Louboutin treibt sie, Philosoph, der er ist, buchstäblich auf die Spitze mit einem Schwarzlackschuh, dessen Absatzhöhe nahezu identisch ist mit der Fußlänge - ein untragbares, perfides Stück Mode mit dem Titel "Fetish Ballerine". Die Weisheit "wer schön sein will, muss leiden" hat im Stöckelschuh ihre Allegorie gefunden.

Sagenhaft unbequem

Manolo Blahnik hat immer freimütig zugegeben, dass er zu Beginn seiner Karriere "nicht die leiseste Ahnung von Schuhen" gehabt habe. Seine Kreationen waren vor allem bei den Models gefürchtet, die damit über den Catwalk zu staksen hatten. Die Dinger waren einfach sagenhaft unbequem. Das zumindest soll sich heute gebessert haben. Blahniks Kreationen für "Sex and the City" sind natürlich ebenfalls in der Ausstellung zu sehen - der Designer machte den Weg frei für den Schuh als eigenständiges Prestigeobjekt.

Und trotzdem: Es kommt nicht von ungefähr, dass der seit Jahren ungebrochene Trend zu sehr hochhackigen Schuhen einher geht mit einer medizinischen Praxis, die nicht den Schuh, sondern den Fuß als Fehlerquelle behandelt. Das Schönheitsideal ist schließlich, wie Umberto Eco in seiner "Geschichte der Schönheit" bemerkte, stets bestimmt von dem, was machbar ist.

In den USA wird das Nervengift Botulinumtoxin deshalb mittlerweile routinemäßig nicht nur gegen Stirnfalten und verschwitzte Achseln eingesetzt, sondern auch gegen Fußschmerzen - auf dass man selig lächelnd hüftenwiegend stöckeln kann, wo man sonst in Qualen humpeln müsste. Und auch in Deutschland gibt es mittlerweile Praxen, die mit "Wohlfühl-Chirurgie für schöne und gesunde Füße" werben. Eine Ärzte-Homepage wirbt sogar unverhohlen mit einem verbundenen Frauenfuß, der auf silbernem Absatz steht.

Gleichwohl ist der hochhackige Schuh als Modeobjekt besonders interessant, gerade weil er, mehr als alle anderen Kleidungsstücke (vom Korsett vielleicht einmal abgesehen), so konsequent den Körper, dem er dienen soll, seinerseits das Dienen abverlangt. Highheels ändern den Gang und, wenn man sie lange genug trägt, leider auch die Anatomie.

Das bekam jüngst Pop-Idol Lady Gaga zu spüren, die einmal in einem Interview behauptet hatte: "Ich würde lieber sterben, als mich meinen Fans ohne High Heels zu präsentieren". Lapidar fasste das Boulevardblatt Express den Grund für die kürzliche Tournee-Absage der Sängerin zusammen: Die "mörderischen Highheels" seien schuld an ihrer Hüftverletzung: "Auf bis zu 20 Zentimetern hohen Absätzen hat sie sich von der Bühne ins Krankenhaus gestöckelt." Auch die Gaga-Kreationen sind in New York zu bewundern - letztlich, wenn man sie so betrachten will, als Instrumente der Selbstaufopferung.

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