Mittwoch, 28. Juni 2017

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Modeschöpferin Hoschek "Frauen müssen kurvig sein"

Lena Hoschek: Unbeschreiblich weibliche Mode
Fotos
Lupi Spuma / Lena Hoschek

2. Teil: "Mode will immer extrem sein"

mm: Passen Models überhaupt in Ihre Kleider?

Hoschek: Wir haben leider die Situation, dass die Models nicht einmal Größe 36 haben bei einer Körpergröße von 1,80 m. Das war für mein Team gewöhnungsbedürftig, und wir schneidern inzwischen in 34, also XS. Lieb ist es mir nicht. Wir helfen auch oft beim Busen nach, damit er fülliger aussieht. Die ganz hageren Models nehme ich nicht. Es gibt Agenturen, die zu unseren Castings schon keine Mädchen mehr schicken. Denn bei denen müssen die Models "dry" aussehen, also mit eingefallenen Wangen. Sonst werden sie aus dem Vertag gekickt. Wirklich schlimm.

mm: Bei dem medialen Aufschrei über Magermodels müsste doch allmählich bei den Agenturen ein Umdenken stattgefunden haben...

Hoschek: Je größer in den Medien der Aufschrei ist, desto extremer reagiert die Mode-Industrie. Weil die Mode immer extrem sein will. Wie im Olympiasport: höher, schneller, weiter. Und wie, so denken sich viele Designer, können sie ihre Kollektion noch extravaganter darstellen? Sie machen es über die Körper.

mm: Fühlen Sie sich als Designerin unter Druck gesetzt?

Hoschek: Also vor einer Show bin ich die Ruhe selbst. Ich bin hoch konzentriert, aber entspannt. Ich kann unter Druck gut arbeiten und kann mich mit Dingen abfinden. Wenn ein Kleid reißt, was soll ich machen? Es passiert, dass Röcke falsch herum angezogen werden, dass eine Bluse falsch geknöpft wird. Das Publikum merkt das gar nicht.

mm: Die Kosten für alle Kollektion Ihrer Größenordnung liegen im sechsstelligen Bereich, alles wird vorfinanziert. Haben Sie manchmal Angst zu scheitern?

Hoschek: Solche Gedanken mache ich mir nicht. Ich verdränge das. Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber ich bin ein grenzenloser Optimist. Das ist auch wichtig, wenn man Kreativität mit Geschäft verbindet. Ich darf nicht ständig hinterfragen, ob meine Mode gut ist. Kritikern gefällt es vielleicht mal nicht, dafür finden es die Online-Käufer toll. Ich mache einfach.

mm: Haben Sie es als Geschäftsfrau in dem Metier einfacher oder schwerer als Ihre männlichen Kollegen?

Hoschek: Keine Ahnung. Ich spreche mit männlichen Designern nicht so viel darüber. Wäre vielleicht mal interessant (lacht).

mm: Woher kommt Ihre Leidenschaft für Kleider und Mode?

Hoschek: Aus Film und Fernsehen. Wir hatten in Österreich nur ORF. Da liefen viele Heimatfilme. Es gab ja nicht so viel Auswahl. Das hat mein Frauenbild sicher geprägt. Ich fand vor allem die Frauen toll, die nicht nur sexy, sondern auch lustig waren, wie Sophie Loren.

mm: Sie haben Ihre ersten Gehversuche bei Mode-Ikone Vivienne Westwood gemacht. Sie waren bei ihr acht Monate Praktikantin. Was ist das wichtigste, das Sie dort gelernt haben?

Hoschek: Authentisch zu sein. Die Frau hat ihre Mode gelebt. Es war nicht nur Show und Schein für die Kameras. Sie hat jeden Tag ihre eigene Mode getragen, kam top gestylt in ihr Atelier. Viele Designer tragen selber Jeans und T-Shirt, aber erwarten von den Frauen die unmöglichsten Dinge. Außerdem hat Vivienne ihr Kaffeegeschirr selber abgewaschen. Und ich habe mir immer gesagt: Egal, wie erfolgreich ich mal werden sollte, das werde ich auch beibehalten.

mm: Sie wirken ohnehin nicht wie jemand, der dem arroganten Fashion-Rummel zwischen Prossecco und Bussibussi etwas abgewinnen kann...

Hoschek: Ja, das Fashion-Chichi ist überhaupt nicht meins. Von Aftershow-Partys mit hippen Leuten, die sagen "Ach, hast du wieder schöne Haare", halte ich mich oft fern. Aber manche solcher Partys nehme ich natürlich wahr, und ich freue mich, als noch recht junge Designerin aus Österreich eingeladen zu werden. Partys sind auch wichtig für das Geschäft. Aber es ist viel Schein. Hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus. Da wird hart gearbeitet. Niemand läuft backstage hip und gestylt rum, außer den Models.

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