Sonntag, 28. August 2016

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Personal Shopping im Netz Des Modemuffels neue Kleider

Mode für Männer: Passendes Outfit ohne Shopping
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Nie mehr Shoppen müssen. Für viele Männer ein Traum. Findige Frauen haben daraus ein Internet-Geschäftsmodell gemacht: Personal Shopping. Man füllt einen Fragebogen aus - und bekommt ausgesuchte Kleidung frei Haus geschickt. mmo-Autor Torben Schultz hat die drei deutschen Portale getestet.

Hamburg - Lieber Leser, sind Sie ein Mann? Dann müssen Sie jetzt stark sein. Denn es geht hier um einen scheinbar harmlosen Anglizismus, der bei Männern - anders als bei Frauen - Missmut, Trotz und manchmal auch Tränen hervorruft: Shopping.

Die Mehrheit der Männer in Deutschland hasst Shopping. Es ist ihnen ein Graus, sich durch volle Fußgängerzonen schieben zu lassen, hinein in überfüllte Geschäfte, deren Auslagen nichts verheißen als Enttäuschung in Farbe und Form.

Nur im äußersten Notfall - etwa weil die bessere Hälfte sie dazu zwingt - gehen Männer Klamotten kaufen. So nennen sie das. Und genau so emotionslos behandeln sie das Thema.

Ein paar findige Frauen wissen um die zerrüttete Beziehung zwischen Kerl und Kaufhaus - und haben daraus ein Geschäftsmodell gemacht: "Personal Shopping". Mann beantwortet einen Fragebogen im Netz, telefoniert kurz mit einer Style-Expertin und erhält im Anschluss ein Paket per Post mit ausgewählter Kleidung von casual bis klassisch. Behalten wird, was gefällt. Doch ganz neu ist die Idee nicht.

"Da liegt noch viel brach"

In Luxuskaufhäusern gibt es seit jeher einen persönlichen Einkaufservice für solvente Kunden. Im Netz tummeln sich selbsternannte Style-Experten mit Mode-Knowhow, die für ihre Klienten Shoppen gehen. Aber ein den persönlichen Wünschen entsprechendes Kleidungspaket frei Haus geliefert zu bekommen, ohne in Katalogen stöbern oder Internetplattformen durchsuchen zu müssen, das war bislang ein Traum - gerade für Männer. Nun ist er wahr geworden.

"Wir nehmen unseren Kunden die Last, einzukaufen - und das schätzen sie", sagt Corinna Powalla, Chefin des dienstältesten Personal-Shopping-Anbieters Modomoto. Alt bedeutet in der Branche knapp ein Jahr. Powalla gründete das Startup im Oktober 2011. "Mein eigener Freund ist ein ziemlicher Shoppingmuffel", so Powalla. Doch als Qualifikation genügte das noch nicht.

Die 30-Jährige hat Erfahrung im E-Commerce, veranwortete den Bereich Geschäftsprozesse beim Brillenversender Mister Spex. Den Markt für Herrenmode in Deutschland beziffert sie auf 15 Milliarden Euro pro Jahr. "Da liegt noch viel brach", sagt sie - und ist mit dieser Meinung nicht allein.

Julia Bösch und Anna Alex, die Gründerinnen der Personal-Shopping-Seite outfittery.de, holten sich ihre Inspiration bei einem Besuch in New York. Böschs Freund - ebenfalls Shoppingmuffel - leistete sich dort aus Neugier einen Personal Shopper - und war begeistert. "Da haben wir gesehen, dass Personal Shopping funktioniert", sagt Outfittery-Co-Chefin Alex. Im Frühling starteten die beiden Freundinnen ihr Internetgeschäft. Kennengelernt hatten sie sich beim Berliner IT-Dienstleister Rocket Internet. Bösch verantwortete zudem die Internationalisierung des Schuhversenders Zalando, Alex war für den Rabattanbieter deindeal.ch tätig.

Auf Investorensuche

Outfittery ging - damals noch unter dem Namen "Paul Secret" - am Freitag, den 13. April 2012 online. "Das Datum hat uns kein Pech, sondern Glück gebracht", sagt Alex. Gehe es nach dem Versandvolumen, sei Outfittery deutscher Marktführer in dem Segment. "Die Zahl der Anmeldungen seit Gründung bewegt sich im mittleren vierstelligen Bereich", so Alex. Das ist eine Menge. Konkurrent Modomoto konnte im ersten Quartal 2012 gerade mal etwas mehr als 1000 Registrierungen verzeichnen. Den Erfolg erklärt sich die 27-jährige Outfittery-Chefin vor allem durch das breite Sortiment und die größere Auswahl an klassischer Mode. "Außerdem unterschied uns lange von den Mitbewerbern, dass wir überhaut geliefert haben." Das Geschäft laufen also nicht überall rund.

Derzeit leben die drei Startups vom Geld ihrer Investoren. Modomoto sucht noch nach weiteren. "Wir führen Gespäche", sagtChefin Powalla. Outfittery zog jüngst Holtzbrinck Venture Capital an Land sowie den High-Tech Gründerfonds (HTGF). Mittelfristiges Ziel ist die Expansion ins Ausland - und natürlich: Geld verdienen. Das wollen Outfittery, Modomoto und Co. mit der Differenz aus Großhandels- und Verkaufspreis. Rabatte gibt es nicht. Dafür müssen die Startups aber auch keine teure Läden betreiben. Das Ziel ist Kundenbindung: Einmal gut beraten und eingekleidet, ist die Chance hoch, dass Mann wieder anruft und ein weiteres Paket anfordert.

Ob das klappt, haben wir getestet. Unser Redakteur hat sich unter echtem Namen - aber mit Privatadresse - bei Outfittery, Modomoto und Modemeister registriert. Er beantwortete Fragebögen, telefonierte mit Style-Expertinnen. In der Folge schickten zwei von drei Anbietern binnen weniger Wochen ein Paket mit Kleidung, die unser Redakteur ausgiebig anprobierte. Lesen Sie im Folgenden seinen Erfahrungsbericht und

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