Mittwoch, 29. Juni 2016

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T-Shirt-Mode Statements auf der Brust

T-Shirts: Mut zum Statement
Fotos
TMN

Ein T-Shirt ist selten einfach nur ein T-Shirt. Zumindest wenn es einen Schriftzug oder ein Motiv trägt. Dann sagt der Träger manchmal mehr über sich aus, als er möchte. Auf dem Grat zwischen origineller Eigenwerbung und betonter Meinungsfreude kann man aber auch kreativ Akzente setzen.

Frankfurt am Main - T-Shirts mit Wortlaut-Aufdruck oder grafischen Motiven sind derzeit überall und haben selbst Büroflure erobert. Denn: "T-Shirts gehören zu den absoluten Fashion-Basics", sagt Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt am Main. "Sie passen immer und sind wahre Multitalente." Zur Jeans wirken sie lässig, zum Blazer elegant. "Gerade junge Kunden suchen nach Teilen, die man immer tragen kann." Dabei ist Individualität wichtig. T-Shirts mit grafischen oder schriftlichen Aufdrucken eignen sich schließlich besonders gut dafür, sich vom Rest der Menschheit modisch zu unterscheiden.

Wer ein absolutes Einzelstück haben möchte, findet im Internet eine Vielzahl von Firmen, die vorgegebene Motive oder Schriftzüge auf Shirts drucken. "Die Welt der Mode hat sich enorm demokratisiert", sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. "Konsumenten sind heute ja schon praktisch in der Lage, sich Farben, Muster, Stoffe bestimmter Kleidungsstücke selbst zusammenstellen zu lassen."

Digital aufgedruckt werden kann alles - vom Slogan bis zur grafischen Arbeit, bei der kaum mehr einzuschätzen ist, ob es sich da noch um bloße Mode handelt oder schon um ein Kunstwerk. "Wer sich Print-Stücke von jungen internationalen Designern wie Peter Pilotto oder Mary Katrantzou ansieht, kann nicht übersehen, dass Digitalprints stark im Kommen sind", sagt Müller-Thomkins.

Rose nennt als Beispiel Fotodrucke: "Die sind sehr angesagt, es gibt sie etwa von Boom Bap oder Eleven Paris." Letztere hätten ein "Casual Tee" mit aufgedruckten Stars von Mick Jagger bis Kate Moss im Angebot. "Ein potenzielles Lieblingsstück", meint Rose. Jil Sander etwa zeige T-Shirts mit verspieltem Kolibri-Print, Stella McCartney mit Hawaii- und Etro ein Longshirt mit Paisley-Druck. Und die Männer? "Die setzen ein Mode-Statement mit aktuellen Logo-Shirts", sagt Rose. Gucci könne draufstehen oder Yves Saint-Laurent.

Der Dresscode ist der Maßstab

Der T-Shirt-Träger kann also fraglos topmodisch daherkommen. Im Büro muss das aber nicht unbedingt sein, sagt die Etikettetrainerin Heike M. Falkenstein aus Trier. Sie hat deshalb einen dringenden Rat: "Im Beruf ist stets der Dresscode des Unternehmens der Maßstab. Sollte der nicht ausdrücklich kommuniziert werden, helfen folgende Fragen weiter: Was tragen die Kollegen? Was die Vorgesetzten?"

In einer flippigen Werbeagentur sei das T-Shirt, auch das knallbunte, durchaus möglich. An konservativeren Arbeitsplätzen eher nicht. "Ein Chef schließt bereits in den ersten drei bis vier Sekunden vom Aussehen auf die Kompetenz", erläutert Falkenstein. Und Kompetenz am Schreibtisch wird hinter ausgeleiert-verwaschenen "Tees" offenbar nicht vermutet.

Wenn es also um Slogans auf T-Shirts geht, müsse sich letztlich jeder selbst fragen: Was steht drauf? Was sagt das aus? Wie kann es gedeutet werden? Zumindest in den Szenebezirken der Städte lautet die Frage allerdings eher: Wie soll es gedeutet werden? Schließlich sind es ja gerade die Subkulturen und Hipster-Zirkel, in denen schwer enträtselbare Aufdrucke auf Shirts oder Jutebeuteln als Chiffren fürs eigene Anderssein funktionieren. Oder aber als Ausweis der Zugehörigkeit zu einer Gruppe gelten.

"Die Sub-Lifestyles multiplizieren sich immer weiter", beschreibt das Modeexperte Müller-Thomkins. Tendenziell aber sorgten Digitalprints und Onlinebezugsquellen eher für die steigende Kreativität der Käufer. "Da werden ganz andere Kreise erschlossen, Menschen werden selbst zu Machern und zu Propagandisten der Mode." Schon um der Gefahr der stilistischen Einförmigkeit durch die ewig gleichen Bestsellerprodukte in ihren unzähligen Varianten entgegenzuwirken, seien bedruckte Kleidungsstücke ein denkbar geeignetes Mittel, meint Müller-Thomkins. "Die Mode konterkariert die Langeweile."

Das T-Shirt kann somit für alles Mögliche in Dienst genommen werden, vom Plakativen bis hin zum Ehrbaren. So hat der Internet-Shop Yoox 2011 acht exklusive Shirts von renommierten Marken unter dem Motto "We love Japan" angeboten. Die Erlöse gingen an Hilfsprojekte für die Opfer der japanischen Tsunami-Katastrophe. "Charity-Shirts sind immer wieder ein Thema zur Unterstützung weltweiter oder lokaler Aktionen", sagt Rose.

Kein Wunder also, wenn sich im Kleiderschrank über die Jahre so manches Band-, Slogan- oder Motiv-T-Shirt anhäuft. Manche sind schnell out und später wieder als Retroteile in. Andere dagegen müssen unwiederbringlich weg. Heike M. Falkenstein sagt, was daraus noch werden kann: "Alte, verwaschene T-Shirts eignen sich hervorragend für Schmutz-und Gartenarbeiten." Nicht als Outfit, versteht sich, sondern als Arbeitsstoff. "Auch Autos kann man damit wunderbar polieren."

Gian-Philip Andreas, dpa

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