Montag, 20. November 2017

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Krawatten Tipps für Bindungsfreudige

Eine echte Krawattenpflicht gibt es nur noch in wenigen Branchen. Viele Männer tragen trotzdem gerne einen Binder, weil er modisch viele Möglichkeiten bietet und Farbenfreude in die Herrengarderobe bringt. Wer das Accessoire nutzt, sollte allerdings mehr als einen Knoten kennen.

Frankfurt am Main/Köln - Im Bürojob galt sie früher als unverzichtbar. Heute ist die Krawatte nur noch in wenigen Branchen ein Muss. Dafür wird der Schlips immer öfter als modisches Accessoire genutzt, das als i-Tüpfelchen für ein perfektes Outfit dient. In jedem Fall gehört ein sauberer Knoten dazu. Und wer lange etwas von einem Schlips haben möchte, sollte pfleglich damit umgehen und ihn ordentlich aufbewahren.

"Früher war die Krawatte ein Symbol für Spießbürgertum", erläutert Personal Shopper Andreas Rose aus Frankfurt. "Heute ist sie mehr ein Modeaccessoire - ein unverzichtbares Stilmittel." Die Generation der älter werdenden Männer, die noch mit der Krawatte aufgewachsen sind, habe den Schlips inzwischen satt, fügt Gerd Müller-Thomkins hinzu, der Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. "Die haben sich von den Krawatten befreit, ähnlich wie die Frauen in den 60er Jahren vom Büstenhalter." Heute aber kann die Krawatte, bewusst kombiniert, den besonderen modischen Akzent setzen.

Grundsätzlich habe der Schlips sogar Konjunktur, meint Müller-Thomkins: "Nicht nur in Banken, sondern auch in anderen Branchen, wo die Krawatte zwischenzeitlich zur Seite gelegt wurde, wird sie inzwischen wieder getragen." Das bestätigt Hajo Ploenes, dessen Firma J. Ploenes in Krefeld einer der verbleibenden Hersteller hierzulande ist: "Natürlich ist die Krawatte nicht out." Das zeigten die langfristig gestiegenen Verkaufszahlen seines Hauses.

Sie sollte allerdings korrekt gebunden sein. Das schreckt viele Neulinge ab. "Ich empfehle als Knoten den Four-in-Hand, der einfach zu händeln ist", sagt Ploenes. Dabei handelt es sich um die Grundform des Krawattenknotens. "Dieser Knoten sieht in jeder Kragenform gut aus", sagt Rose. Für fortgeschrittene Krawattenträger kommt auch der etwas kompliziertere Windsor-Knoten infrage. "Er eignet sich besonders gut für breitere Kragen wie Spreiz-, Haifisch- oder Kent-Kragen, weil er breit und füllig wirkt", erklärt Rose. Den Windsor-Knoten gibt es in der einfachen und der doppelten Ausführung - der doppelte Windsor enthält eine Windung mehr. Für die richtige Bindung gibt es etliche Ratgeberseiten im Internet - eine der besten ist www.krawattenknoten.org.

Niemals über dem Gürtel

Der einfache Windsor wird gern bei sehr breiten oder festen Krawatten verwendet, die mit dem doppelten Windsor zu groß werden. Aber ob Windsor oder Four-in-Hand: Bei jedem Knoten ist darauf zu achten, dass die Krawatte nicht zu lang fällt, betont Rose: "Sie darf auf keinen Fall über dem Gürtel hängen." Besonders leicht ist das Binden des Knotens bei Krawatten guter Qualität. Dabei gilt reine Seide nach wie vor als das beste Material, sagt Ploenes: "Sie ist heute auch zu erschwinglichen Preisen erhältlich."

Die Qualität lässt sich im Laden prüfen, indem die Krawatte schon im Laden einmal gebunden wird. So viel Zeit sollte sein, rät Rose: "Wenn die Krawatte anschließend nicht verdreht ist, handelt es sich um eine gute Qualität." Ein Zeichen für mangelnde Güte hingegen sei fehlende Spannkraft. Nach dem Tragen sollte die Krawatte auf keinen Fall ohne Öffnen des Knotens abgelegt werden, fügt Rose hinzu. Er empfiehlt, die Krawatte mit der Spitze nach innen lose einzurollen und in den Schrank zu legen. Möglich sei auch, die Krawatte aufzuhängen. Ein spezielles Schlips-Etui oder eine Krawattenbox seien nicht unbedingt nötig.

Wem all das zu kompliziert ist, der muss auf modische Accessoires am Hals nicht verzichten. Schals und Tücher sind derzeit für Männer angesagter denn je. "Wenn man abends von der Arbeit kommt und keine Krawatte tragen möchte, bietet sich etwa ein Halstuch an", sagt Rose.

Sebastian Knoppik, dpa

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