Mittwoch, 24. Oktober 2018

Herrenmode Bunt bestrumpft

Immer wieder wollen Designer mehr Farbe in die Herrenmode bringen - und immer wieder scheitern sie an der Vorliebe der Männer für Schwarz und Grau. Ein neuer Trend allerdings könnte es vom Laufsteg auf die Straße schaffen: Farbenfrohe Socken nach klassisch britischem Vorbild.

Berlin - Der Durchschnittsmann verwendet auf den Sockenkauf wenig Zeit. Auf dem Weg zur Kasse greift er am Wühltisch zum Fünferpack in Schwarz oder Grau - und schon ist der Bedarf erst einmal wieder gedeckt. Trendsetter allerdings nutzen jetzt die neuen Farben in den Kollektionen und kombinieren unkonventionell. So wird die Socke zum Modestatement.

In vielen Kollektionen blitzt es an männlichen Knöcheln derzeit bunt auf. Die Designer schicken die Models sogar mit Bermudas und bunten Socken auf die Laufstege. Grundsätzlich neu sind bunte Socken für Herren aber nicht. Sie haben sogar ein ganz klassisches Vorbild.

Der Ursprung liegt in der englischen Herrenmodetradition, erklärt Bernhard Roetzel, Stilexperte aus Berlin. Auf der Insel pflegen Gentlemen den kleinen modischen Gag seit den 1920er Jahren und durchbrechen damit bei Gelegenheit den einst strikten Dresscode. Besonders Adlige demonstrieren so, dass sie sich nicht an die Kleidungsvorschriften halten müssen. Und auch hierzulande zeigte sich angeblich schon Freiherr von Knigge mit roten Strümpfen.

Schleichende Renaissance

Die aktuelle Renaissance habe sich schleichend angekündigt, sagt Kristina Falke vom Strumpfhersteller Falke. Seit einigen Jahren verkauften sich bunte und gemusterte Socken immer besser. Gerade weil sich Männer modisch nicht so austoben dürfen wie Frauen, eigneten sich Socken gut, um individuelle Akzente zu setzen. "Socken können der leuchtendste Teil eines Outfits sein", pflichtet ihr Steve Monaghan von Happy Socks bei. Die neue schwedische Sockenfirma, gegründet vor knapp einem Jahr, hat sich auf Modelle in außergewöhnlichen Farben und Mustern spezialisiert.

Der Modejournalist und Blogger Winston Chesterfield aus London schreibt, dass bunte Socken nicht nur akzeptabel, sondern sogar zu bevorzugen seien. Wenn es der Anlass erlaubte, wirke ein farbiges Aufblitzen an den Knöcheln blendend. Und der Anlass erlaubt Farbtupfer an den Fesseln fast immer, sagt Roetzel. Er trägt selbst auf einem Ball zum Smoking rosa Socken - passend zum rosa Einstecktuch. Denn am besten wirke es, wenn sich die Farben am Oberkörper wiederfinden, zum Beispiel in der Krawatte. Bei ernsten Anlässen rät der Stilexperte allerdings von Farbe am Bein ab.

Ebenso deplatziert wirke sie meist im Büro. "Ich würde es einem normalen Banker nicht empfehlen. Das wird oft als grober Fehler missverstanden." Roetzel würde bunte Socken erst ab einer Hierarchiestufe wagen, "wo es einem nicht mehr schadet" - oder in kreativen Berufen.

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