Montag, 20. August 2018

Modestadt Berlin Brodelnder Zeitgeist

Nicht nur zur Fashion Week ist die deutsche Hauptstadt auch zur Modemetropole geworden. Rund um die Hackeschen Höfe zeigen junge Berliner Designer den Stil der neuen Zeit - und begeistern mit lässiger Couture und kreativen Verrücktheiten.

Berlin - Von den Häuserfassaden bröckelt der Putz, und wenn die Straßenbahn vorbeirattert, bebt ein bisschen der Boden. Auf den ersten Blick sieht die Alte Schönhauser Straße aus wie ein gewöhnlicher Straßenzug in Berlin.

Tatsächlich aber pulsiert hier das Leben der jungen Modeszene, reiht sich ein Laden mit Designerware an den anderen. Die Gegend nahe der Hackeschen Höfe hat Berlin mittlerweile den Ruf als eine der wichtigen europäischen Modehauptstädte eingebracht - gleich neben Paris, Mailand und London.

"Die Modestadt Berlin hat eine sehr lange Tradition, schon zur letzten Jahrhundertwende war sie schillernd und glamourös", erzählt die Modejournalistin und Buchautorin Nadine Barth. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde diese Kultur aber zerstört, und auch das geteilte Berlin erholte sich lange Zeit nicht mehr von dem Schlag. "Mit der Wende erstarkte dann aber die Kunstszene in der Stadt und brachte wieder eine moderne, brodelnde, kreative Modeszene hervor."

Inspirierender Wandel

Auch Michael Michalsky zog vor einigen Jahren nach Berlin. Der Modemacher ist einer der Großen seiner Branche in Deutschland. "Es gibt derzeit keine interessantere Stadt als Berlin", findet Michalsky, der neben seiner Zusammenarbeit mit Tchibo einen eigenen Laden und mehrere Labels für verschiede Moderichtungen betreibt. "Berlin ist nicht nur das Herz des neuen Europas, sondern auch ein Gradmesser für neue Soziotrends, die für die Modewelt wichtig sind."

Das erkannten auch die Hochschulen, weswegen in den vergangenen Jahren zahlreiche Modestudiengänge in der Stadt gegründet wurden. So lehrte Vivienne Westwood lange Zeit an der Universität der Künste, und an der Modeschule ESMOD profitieren die Studenten von der internationalen Vernetzung. Der Clou: Diese Schulen holen junge Designer in die Stadt, die nach ihrem Abschluss in Berlin bleiben.

Eines der erfolgreichsten Beispiele hierfür ist das bekannte Label "Sisi Wasabi" mit seiner Mischung aus lässiger Street Couture und Trachtenelementen. Berlin ist für Inhaberin Zerlina von dem Bussche dabei aber nicht nur Arbeitsplatz. "Berlin ist eine Stadt, die durch den unaufhörlichen Wandel ungemein inspirierend ist", findet sie. Dieser Boom an kreativen Ideen führte dazu, dass sich nun auch die zahlende Modeindustrie an Berlin herangepirscht hat.

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